Angry Birds 2 - Der Film (2019)

Vögel auf gewagter Mission

Eine Filmkritik von Falk Straub

Davor bleibt erst einmal alles beim Alten: Die bunten Vögel und die grünen Schweine von der Nachbarinsel liefern sich einen überdrehten Kleinkrieg. Aus den Kinolautsprechern dröhnt Musik, im Hintergrund läuft Bonnie Tylers Holding Out for a Hero und Held Red (deutsche Stimme: Christoph Maria Herbst) feuert Wurfgeschosse mit einer überdimensionierten Schleuder in Richtung Schweineinsel. Ein audiovisueller Overkill, hektisch geschnitten, lärmend, entnervend und mit nur einem Ziel: das Publikum im Schnelldurchlauf auf den Stand des ersten Teils zu beschleunigen.

Danach tritt das Regieduo Thurop Van Orman und John Rice ganz leicht auf die Bremse und das Drehbuchtrio Peter Ackerman, Eyal Podell und Jonathon E. Stewart darf eine Geschichte entfalten, die komplexer als die des Vorgängers ist, letzten Endes aber auch im zweiten Anlauf des niedlichen Federviehs zu schwach auf der Hühnerbrust bleibt.

Als eine riesige Eiskugel auf der Schweineinsel einschlägt, schlagen die Paarhufer um Anführer Leonard (Ralf Schmitz) den Vögeln einen Waffenstillstand vor. Gemeinsam gehen sie der Bedrohung auf den Grund, die von der eisigen Adlerinsel zu kommen scheint. Außer den üblichen Verdächtigen Chuck (Axel Stein), Bombe (Axel Prahl) und dem Mächtigen Adler (Smudo) hat Red nicht ganz freiwillig Chucks Schwester Silver (Anke Engelke) im Gepäck. Die nervte ihn schon beim Speed-Dating. Viel schlimmer aber: Silver studiert und zeigt ihren einfältigen Gefährten, was man(n) alles mit Köpfchen bewerkstelligen kann.

Auf der Adlerinsel gilt es, ein hochgesicherte Abschussbasis, die in ihrem Innern an eine gigantische Murmelbahn erinnert, zu infiltrieren. Und so schaltet der Film vom Klamaukmodus auf Agentenfilmparodie um. Von der gewagten Kostümierung über waghalsiges Abseilen bis zum gewitzten Dance Battle zu Harold Faltermeyers Beverly Hills Cop-Titelthema Axel F ist alles drin. Hier hat die tierische Schicksalsgemeinschaft ihre besten Auftritte. Die Action sitzt und eine Szene am Pissoir ist ein akrobatischer Fremdschäm-Spaß. Die meisten Lacher haben allerdings drei andere Protagonisten auf ihrer Seite. Parallel zur Weltrettung erzählt Angry Birds 2, wie drei Küken verloren gegangenen Eiern hinterherjagen. Dabei landen sie schon einmal im All, von David Bowies Space Oddity musikalisch begleitet. Diese kleinen absurden Miniaturen ragen aus diesem durchschnittlichen Animationsfilm heraus und verdeutlichen gleichzeitig dessen größtes Manko.

Trotz eines verbesserten Skripts reicht der Plot für einen abendfüllenden Spielfilm nicht aus. Ohne die Zwischenepisoden des Vogelnachwuchses wäre er geschätzte 20 Minuten kürzer ausgefallen. Und auch die Haupthandlung gerät durch stilisierte Zeitlupen-Einschübe, die als Parodie auf Actionfilm-Franchises gedacht sind, und Song-Einlagen wiederholt zur Nummernrevue. Das sieht dank praller Farben mitunter umwerfend aus, zielt aber viel zu oft nur auf den schnellen Gag. Zu schlechter Letzt ist auch die Botschaft dünn. Erneut muss Egoist Red zurückstecken und erkennen, dass Zusammenhalt der einzige Weg zum Erfolg ist.

Den ganz Kleinen wird's gefallen und all jenen, die auf eine tiefere Ebene pfeifen und einfach mal abschalten möchten. Hier kommt die Verfilmung, auch ohne Tunnel, wieder bei ihrer Vorlage an.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/angry-birds-2-der-film-2019