Die Eiskönigin 2 (2019)

Auf der Suche nach Antworten

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Königin Elsa, die einst ihr Herkunftsland Arendelle aus Angst vor ihren potenziell destruktiven magischen Kräften verließ, führt inzwischen mit ihrer Schwester Anna ein ruhiges Leben in ihrer Heimat. Eines Tages bricht allerdings ein seltsamer Zauber über die malerische Fjordlandschaft herein. Und noch dazu fühlt sich Elsa plötzlich immer mehr zu einer geheimnisvollen Stimme hingezogen, die offenbar nur sie hören kann. Um Arendelles Zukunft zu sichern, gibt die junge Herrscherin dem Ruf nach und macht sich zusammen mit Anna, deren Schatz Kristoff, dem Rentier Sven und dem putzmunteren Schneemann Olaf auf die Suche nach Antworten. Ihr Weg weist direkt in einen Zauberwald, den Elsa schon aus Erzählungen ihres Vaters kennt und der seit einem grausamen Zwischenfall vor vielen Jahren im Bann unheilvoller Mächte steht. Schritt für Schritt tauchen die Schwestern in die Vergangenheit ihrer Familie ein und kommen dem Ursprung von Elsas magischer Vereisungsgabe immer näher.

Der erste Teil ergründete die Angst der jungen Königin, mit ihren Fähigkeiten Unglück in die Welt zu tragen, und beleuchtete in besonderem Maße das innige Verhältnis der beiden Protagonistinnen. Ihr gegenseitiges Vertrauen und ihre Liebe standen gegenüber Annas romantischen Erfahrungen klar im Vordergrund, was dem Film einen spannenden Anstrich verlieh. Die Beziehung der starken Frauenfiguren ist erfreulicherweise auch das Herzstück der Fortsetzung, die konsequenterweise fast gänzlich auf klassische antagonistische Kräfte verzichtet. Einen Oberbösewicht mit einem finsteren Plan gibt es hier nicht. Vielmehr entführt Die Eiskönigin 2 den Zuschauer auf eine Erkenntnisreise, der folgende Fragen zugrunde liegen: Wer genau ist Elsa? Warum verfügt ausgerechnet sie über ungewöhnliche Fähigkeiten? Und nicht zuletzt: Wie steht sie zu ihrem familiären Erbe?

Lee und Buck schütteln keine besonders raffinierte oder überraschende Handlung aus dem Ärmel, laden ihren Plot aber mit ehrlichen Emotionen auf und setzen an das Ende des Films eine, gerade in diesen aufgeregten Zeiten, Hoffnung spendende Völkerverständigung. Bekräftigt eine der vielen Gesangseinlagen den Wert von Sicherheiten und die Beibehaltung des Status quo, betont eine andere den Reiz des Ungewissen, den Willen zur Erweiterung des Horizontes. Im Finale mag vieles, wie erwartet, an seinen Platz fallen. Einige Dinge haben sich allerdings grundlegend geändert. Das Schwanken zwischen Traditionen und dem Aufbruch zu neuen Ufern wirkt allemal sympathisch.

Die Musical-Einschübe haben zwar nicht die Ohrwurmqualitäten des Vorgängers, wirken manchmal etwas redundant, verkommen aber nicht zu platten Nummern ohne inhaltlichen Mehrwert. Für einige lustige Momente sorgt erneut der quirlige Olaf, der über die Vorteile des Älterwerdens sinniert und an einer Stelle eine irrwitzige Zusammenfassung der Ereignisse aus Teil eins zum Besten gibt. Wuchern kann Die Eiskönigin 2 abermals mit bestechend schönen Bildern, deren Fantasiereichtum mitunter magische Qualitäten erreicht. Zu den visuellen Highlights gehören der Eintritt in den Zauberwald, Annas und Olafs Fahrt auf einem reißenden Fluss, Elsas Kampf gegen die Meereselemente und ihre Konfrontation mit der Vergangenheit. Dass sich das winterliche Animationsabenteuer jedoch nicht nur auf die optische Brillanz verlässt, muss man den kreativ Verantwortlichen hoch anrechnen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-eiskoenigin-2-2019