Star Wars: Der Aufstieg Skywalkers (2019)

Neue alte Feinde

Eine Filmkritik von Christian Neffe

„Lass die Vergangenheit sterben“, lauteten die Worte, mit denen sich Kylo Ren (Adam Driver) kurz vor dem Finale von „Star Wars Episode VIII: Die letzten Jedi“ an Rey (Daisy Ridley) wandte. Wir erinnern uns: Der Enkel von Darth Vader hatte soeben seinen Meister, Supreme Leader Snoke (Andy Serkis), in einem der überraschendsten Momente der Serie hintergangen und getötet. Und das sollte nun auch mit Luke Skywalker (Mark Hamill), den Jedi und den Sith, kurzum: den alten Vorstellungen von Gut und Böse geschehen. Man kam nicht umhin, dies als Kommentar seitens Autor und Regisseur Rian Johnson auf das gesamte Franchise zu verstehen. Für „Episode IX: Der Aufstieg Skywalkers“ nahm nun J.J. Abrams („Das Erwachen der Macht“) erneut auf den Regiestuhl zurück – und der scheint Johnsons Meinung nicht zu teilen. Denn anstatt die Vergangenheit sterben zu lassen, gräbt er längst Begrabenes wieder aus.

Der Trailer hatte es schon angekündigt: Eine alte Bedrohung kehrt in das Star-Wars-Universum zurück. Bereits der erste Absatz des ikonischen opening crawl verrät, dass der in Die Rückkehr der Jedi-Ritter mutmaßlich ums Leben gekommene Imperator Palpatine auf Rache sinnt und dies unlängst in einer intergalaktischen Audiobotschaft bekannt gemacht hat. Kylo Ren – seit dem Tod von Snoke der neue Anführer der Ersten Ordnung – will seine Machtansprüche jedoch nicht teilen und macht sich auf die Suche nach Palpatine. Die Spur führt nach Exogol, dem Heimatplaneten der Sith. Dort verfällt Ren abermals den Versuchungen der dunklen Seite und erhält den Auftrag, die letzte Jedi-Ritterin Rey zu töten.

Die wird derweil von Leia (Carrie Fisher), Anführerin des Widerstandes (beziehungsweise dem, was nach Die letzten Jedi davon noch übrig ist), weiter in der Macht unterwiesen. Aufgeschreckt durch Palpatines mutmaßliche Rückkehr und die Informationen eines Spions innerhalb der Ersten Ordnung über einen bevorstehenden Angriff, planen die Rebellen einen Präventivschlag auf die Festung der Sith. Um die zu finden, benötigen sie jedoch ein altes Artefakt.

Die Suche nach diesem MacGuffin bildet den Auftakt einer Schnitzeljagd, die das Trio Rey, Finn (John Boyega) und Poe Dameron (Oscar Isaac) an mehr als ein halbes Dutzend Schauplätze führt, womit die quantitativen Ausmaße dieses Films bereits umrissen wären: Der Aufstieg Skywalkers bietet mehr Szenarien als jeder Star-Wars-Film zuvor. Sie erstrecken sich von den düsteren Ruinen Korribans über die farbenfrohen Festivitäten auf einem Wüstenplaneten bis zu einem eisigen Dorf unter der Knechtschaft der Ersten Ordnung. Für visuelle Abwechslung ist also gesorgt, auch wenn man all das so oder so ähnlich bereits in vergangenen Filmen der Reihe gesehen hat.

Auffallend ist, mit welchem Tempo Abrams und sein vierköpfiges Autorenteam die einzelnen Schauplätze abhaken. Der Aufstieg Skywalkers steht damit im starken Kontrast zu Die letzten Jedi, der noch rund die Hälfte seiner Laufzeit für eine eher gemächliche Verfolgungsjagd im All aufwendete. Allerdings konnte Rian Johnson den Figuren dadurch auch Raum zum Atmen und Entfalten geben. In Episode IX sind Momente der Ruhe und Reflexion hingegen Raritäten. Vielmehr werden die bisherigen Entwicklungen und das weitere Vorgehen immer wieder in hektischen Dialogen auf den Flügen zwischen den Planeten im Eiltempo zusammengefasst.

Was dem Vorhaben des Protagonisten-Trios darüber hinaus fehlt, ist eine nachvollziehbare Dringlichkeit. Eine kurze Totale auf eine Kriegsschiffsflotte deutet zu Beginn zwar an, welche Gefahr diesmal von der dunklen Seite naht. Doch dauert es bis weit über die Hälfte des Filmes hinaus, bis das tatsächlich Ausmaß dieser Bedrohung gezeigt wird. Bis dahin muss Poe Dameron deshalb immer wieder betonen, dass alles, wofür die Rebellen bisher kämpften, für nichts war, sollte ihre aktuelle Mission scheitern.

Erwartungsgemäß ist die Handlung von Der Aufstieg Skywalkers durchsetzt von Plot Twists und (nicht immer) überraschenden Enthüllungen. Die Entwicklungen der zentralen Charaktere werden konsequent fort- und zu Ende geführt. Doch spürt man eben auch, dass Johnson mit seinem letzten Film gehörig in Abrams kreative Suppe gespuckt hat. Eigentlich abgeschlossene narrative Fäden, etwa das Mysterium um Reys Herkunft, werden deshalb wieder aufgegriffen, was zuweilen recht konstruiert wirkt. Zudem führt Abrams das Konzept der Macht wieder zu seinen Wurzeln zurück. Versuchte Johnson noch, die Religion von Jedi und Sith metaphysisch und metaphorisch zu erweitern, ist sie nun wieder das, was sie ursprünglich war: Eine Kraft, durch die sich Menschen manipulieren, Dinge bewegen und Blitze schießen lassen. Damit einher geht auch eine Rückkehr zum alten Verständnis von dunkler und heller Seite, Gut und Böse. Die moralischen und ideologischen Ambivalenzen aus Die letzten Jedi sind passé.

Und natürlich sind da auch noch all die altbekannten Gesichter, die wieder in Erscheinung treten. Billy Dee Williams (das war bereits bekannt) ist wieder dabei. Mark Hamill auch. Die vor drei Jahren verstorbene Carrie Fisher wurde nochmals zum Leben erweckt. Und auch ein weiteres Serien-Urgestein tritt ein letztes Mal überraschend in Erscheinung. Abrams kramt also wie schon in Das Erwachen der Macht in der Nostalgie-Kiste (diesmal allerdings nicht ganz so tief), wodurch die neuen, potentiell interessanteren Figuren (etwa eine von Keri Russell verkörperte, wunderbar kesse Söldnerin) leider zu kurz kommen.

Schlussendlich gelingt es Der Aufstieg Skywalkers zwar, der neuen Trilogie einen inhaltlich runden Abschluss sowie ein Finale mit dem angemessenen Bombast zu bescheren. Dennoch hätten der Mut und zumindest ein Hauch von Subversion à la Rian Johnson Episode IX zu mehr machen können als zu einer interplanetaren Schnitzeljagd mit gelegentlichen Actioneinlagen. Auch wenn die gewohnt hervorragend aussehen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/star-wars-der-aufstieg-skywalkers-2019