Niemandsland - The Aftermath (2019)

Mit dem Feind im Bett

Eine Filmkritik von Melanie Hoffmann

Rachael und Lewis führen eine angespannte Ehe, was vor allem auf den Verlust ihres Sohnes zurückzuführen ist. Zudem kann sich die junge Frau nur schwer im zerbombten Hamburg einleben und fühlt sich in der Villa nicht willkommen. Das Personal spricht kein englisch und sie kein deutsch. Und schließlich provoziert Lubert sie mit seiner Anwesenheit. Und es passiert - eigentlich recht vorhersehbar, aber dennoch ohne jegliche erotischen Spannungsmomente vorab - was passieren muss und Lubert und Rachael haben eine Affäre.

Auch die Tochter von Stefan Lubert wird flügge. Freda (Flora Thiemann) ist vom Krieg und vom Tod ihrer Mutter sehr aufgewühlt. Mit ihren 15 Jahren ist sie leicht beeinflussbar und lässt sich von einem ehemaligen Hitlerjungen, in den sie sich verliebt hat, einreden, dass man immer noch etwas für die Ideale der Nazis tun kann. Parallel hierzu muss sich ihr Vater den Prozessen der Entnazifizierung stellen.

Die Verfilmung des Romans von Rhidian Brook kommt als gediegenes Drama mit einem Kern aus drei Figuren daher. Diese ménage à trois vermag es allerdings nicht das Ganze auch spannend darzustellen. Viel zu unvermittelt fällt Skarsgårds Lubert über Rachael her. Die Nebenhandlungen sind stark eingedampft und auch wer nichts von der Existenz einer Romanvorlage wusste, hat die starke Ahnung, dass hier einiges unter den Tisch fiel.

Selbstredend ist Alexander Skarsgård ein passabler Schauspieler und überaus nett anzusehen. Aber einen Schweden zu besetzen, der Deutsch nur mit einem starken Akzent beherrscht, wirkt insbesondere für deutsche Ohren sehr befremdlich. Dass man in ganz Deutschland keinen Schauspieler gefunden hat - oder gar nicht finden wollte - der mit Keira Knightley spielen möchte, ist schon erstaunlich. Insbesondere für eine solche Rolle im Kontext des untergegangenen Nazideutschlands ist Skarsgård eine totale Fehlbesetzung. Auch springt der Funke zwischen den beiden nicht so recht über.

Die Entscheidung des Verleihs alles zu synchronisieren ist noch fataler. Nun sprechen auf einmal alle bestes Deutsch, jedoch ist besonders die mangelnde Sprachkenntnis von Rachael zu Beginn ein wichtiges Thema, das sie als starken Fremdkörper im Haus auszeichnet.

Die Ausstattung ist vom Allerfeinsten. Das fällt vor allem an der exzellenten Kleidung auf. Keira Knightleys Rachael reist mit einem kleinen Koffer an und mit genau dem selben Koffer wieder ab und doch trägt sie in beinahe jeder Szene wieder ein neues Kleid. Wo sie diese Garderobe im Nachkriegs-Hamburg herbekommen hat, bleibt das Geheimnis der Garderobiere. Dennoch muss man zugeben, dass sie seit Abbitte nicht mehr so vorzüglich angezogen war. Natürlich können auch die Herren sich sehen lassen.

Dies ist die eine, große Qualität des Kostümdramas. Es ist exquisit gefilmt, seine ruhigen Einstellungen und die recht altmodische Herangehensweise gefallen durchaus. Die Handlung voller Klischees und ohne jegliche Überraschung hingegen langweilt und das filmische Ergebnis ist daher immerhin für Fans des Genres ein schön anzusehender Genuss.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/niemandsland-the-aftermath-2019