Friedhof der Kuscheltiere (2019)

Auferstanden von den Toten

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Die nun startende Neuverfilmung, die unter der Regie des eingeübten Gespanns Kevin Kölsch und Dennis Widmyer (Starry Eyes) entstand, ist sicherlich nicht schlechter als die alte Leinwandversion, krankt aber wie so viele heutige Horrorwerke an einer Präsentation des Grauens mit dicken Pinselstrichen. Im Prinzip geht das laute Raunen und Klappern schon mit den ersten Bildern los, die dem Publikum einen Vorgeschmack auf die irgendwann ausbrechenden Eskalationen geben. 

Da sie das Leben in der Großstadt Boston zunehmend gestresst hat, ziehen der Arzt Louis Creed (Jason Clarke) und seine Ehefrau Rachel (Amy Seimetz) mit ihren Kindern Ellie (Jeté Laurence) und Gage (Hugo und Lucas Lavoie) in die ruhige, von tiefen Wäldern umgebene Kleinstadt Ludlow im US-Bundesstaat Maine. Ein Stück hinter ihrem Haus befindet sich ein Friedhof für Haustiere, wie ihr kauzig-sympathischer Nachbar Jud Crandall (John Lithgow) zu berichten weiß. Als eines Tages die vor allem von Ellie geliebte Katze Church – eine Kurzform für Winston Churchill – auf der Schnellstraße vor dem Anwesen totgefahren wird, beschließt Louis, den Vierbeiner ohne das Wissen seiner Tochter zu beerdigen. Jud bietet dem Doktor seine Hilfe an und führt ihn mitten in der Nacht auf ein jenseits des Tierfriedhofs gelegenes Areal, vor dem der Geist eines verunglückten jungen Mannes (Obssa Ahmed) Louis kurz zuvor gewarnt hat. Dennoch begräbt er Church an diesem geheimnisvollen Ort, dessen übernatürliche Kräfte den Kater nur wenig später lebendig, aber wesensverändert in den Schoss der Familie zurückkehren lassen.  

Der von King erdachte Plot strahlt noch immer eine beunruhigende Faszination aus, wird in der darstellerisch überzeugenden Neuauflage allerdings nur selten für wirklich starke Gänsehautmomente genutzt. Statt langsam in die Eingeweide kriechendes Unbehagen aufzubauen, setzen Kölsch und Widmyer lieber auf eine mit dem Holzhammer hervorgerufene Verunsicherung. Rachel und Ellie treffen nach der Ankunft im neuen Heim auf eine Kinderprozession, deren Teilnehmer unter dumpfen Trommelschlägen mit gruseligen Masken über den Gesichtern zum Tierfriedhof schreiten und dank ihres bizarren Aufzuges an eine Sektengemeinschaft erinnern. Immer wieder drehen die Macher den Lautstärkeregler nach oben, um den Betrachter durchzuschütteln. Die zerzauste Church-Reinkarnation muss mehr als einmal für einen grellen Schock herhalten. Und allzu plump sind die mit Rachels sterbenskranker Schwester zusammenhängenden Rückblenden und Visionen auf den Effekt hin getrimmt. Das Regie-Duo vertraut hier den Bildern eines bizarr entstellten Körpers, merkt jedoch nicht, dass die kurzen Einschübe schnell ins Lächerliche kippen, da sie schlichtweg zu oft und zu beliebig auftauchen. 

Dass Kölsch und Widmyer Szenen durchaus mitreißend und intensiv orchestrieren können, beweist ein tragisches Unglück im Mittelteil. Obwohl der Einsatz digitaler Hilfsmittel an dieser Stelle arg offensichtlich ist, lassen einen die dramatischen Geschehnisse keineswegs kalt. Während den Creeds der Boden unter den Füßen weggezogen wird, verliert auch der Zuschauer seine Fassung. Interessanterweise erlaubt sich Drehbuchautor Jeff Buhler (The Prodigy) ausgerechnet bei diesem zentralen Ereignis eine markante Abänderung des Ursprungsstoffes, die sicherlich für Diskussionen sorgen wird.

Überraschende Wege beschreitet der neue Friedhof der Kuscheltiere ferner im Finale. Wirkte schon der Showdown in der Verfilmung von 1989 mit seinen Gewaltausbrüchen und seinen plötzlichen Entgleisungen ungemütlich, setzen Kölsch und Widmyer nun noch einen drauf. Der um sich greifende, blutige Wahnsinn hat zweifelsohne Verstörungspotenzial und endet mit einer abgewandelten Pointe, fällt allerdings einmal mehr in die Kategorie Haudrauf-Horror, der sich im Kopf des Zuschauers über den Kinobesuch hinaus nicht sehr lange einnistet.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/friedhof-der-kuscheltiere-2019