Climate Warriors (2017)

Aufgewärmte Erderwärmung

Eine Filmkritik von Falk Straub

Zunächst zum Neuen, dem Positiven dieses Potpourris: Donald Trump ist nicht Amerika. Gegen seine Absage an das Pariser Klimaabkommen, die der US-Präsident am 1. Juni 2017 im Garten des Weißen Hauses öffentlichkeitswirksam verkündete, regt sich Widerstand. Das Spektrum der titelgebenden Klimakrieger ist breit. Der noch nicht einmal volljährige Hip-Hopper Xiuhtezcatl Martinez, der schon mit sechs Jahren für den Umweltschutz auf die Bühne ging, zählt ebenso dazu wie die Wissenschaftlerin Joylette Portlock, die Trumps Lügen über den Klimawandel auf YouTube widerlegt, wie Umweltberaterin Nikki Silvestri, die sich um die Gesundung der Böden kümmert, oder Hollywoodgröße Arnold Schwarzenegger.

Fechner und Co-Regisseur Nicolai Niemann nehmen Trumps Pressekonferenz als Ausgangspunkt eines dokumentarischen Faktenchecks. Seinen Aussagen über fossile und erneuerbare Energien setzen sie diejenigen ihrer Interviewpartner und eine Rede Schwarzeneggers entgegen, die sie wie Trumps Ansprache häppchenweise über die gesamte Laufzeit ihres Films verteilen. Weder mit dem mächtigsten Mann der Welt noch mit dem ehemaligen Gouverneur von Kalifornien waren sie selbst im Gespräch. Dafür mischt Regisseur Fechner munter mit, nicht nur als Kommentator aus dem Off, sondern auch vor der Kamera, wenn er an den Drehorten einsam seine Joggingrunden zieht und über den Zustand der Welt sinniert.

Nun zum Altbekannten, das negativ hängen bleibt: Fechners Anliegen ist löblich und wichtig, dessen Vermittlung kontraproduktiv. Statt der Faktenlage zu vertrauen und diese nüchtern zu vermitteln, trägt Climate Warriors viel zu dick auf. Die Bilder gleichen einem Imagefilm, die Musik gibt beständig die Stimmung vor und ein bedeutungsschwangerer Off-Kommentar schiebt schließlich all jene in die richtige Richtung, auf die die wenig subtilen formalen Mittel bislang noch keine Wirkung gezeigt haben. Was Fechners jüngsten Dokumentarfilm jedoch zu einem echten Ärgernis macht, ist die dreiste Wiederverwertung seines eigenen Werks. Der Blick auf die USA macht lediglich rund die Hälfte der Spieldauer aus. Die restlichen Protagonisten waren allesamt in exakt derselben Form bereits in seinem Vorgängerfilm Power to Change: Die Energie-Rebellion (2016) zu sehen. Eine Öko-Doku im Copy-&-Paste-Verfahren. Hier zahlt das Publikum für lauwarm Aufgewärmtes.

Die bereits vor zwei Jahren von den „Energie-Rebellen“ vorgestellten Projekte besitzen zwar immer noch ihre Gültigkeit, wollen zum Blick über den Atlantik aber nicht recht passen. (Der unbedachte Umgang mit der Aktualität im kurz gestreiften Ukraine-Konflikt stößt zudem übel auf.) Statt sich mehr auf die US-Szene zu konzentrieren, deren spannende Köpfe umfänglicher zu porträtieren und sich in deren Innovationen zu vertiefen, stopfen Fechner und Niemann allenthalben Löcher. Was von den US-amerikanischen Aktivisten im Gedächtnis bleibt, sind keine pragmatischen Lösungsansätze, sondern kraftvolle Bilder von Demonstrationen und Protesten. Wer Fechners Filme noch nicht kennt, wird auch aus Climate Warriors nützliche Erkenntnisse ziehen. Allen anderen bietet er lediglich Stückwerk.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/climate-warriors-2017