The LEGO Movie 2 (2019)

Tohuwabohu im All

Eine Filmkritik von Christopher Diekhaus

Der daueroptimistische Emmet (Originalstimme: Chris Pratt), der im Vorgänger eine Wandlung vom einfachen Bauarbeiter zum Weltenretter durchmachte, und seine Freundin Lucy alias Wyldstyle (Elizabeth Banks) sehen ihre Heimat Steinstadt gleich zu Beginn des Sequels von putzigen, aber zerstörungswütigen DUPLO-Geschöpfen aus dem All bedroht. Fünf Jahre später ist von ihrem einst so schönen Wohnort nur noch eine postapokalyptische Wüstenlandschaft im Mad Max-Stil geblieben, in der sich alle LEGO-Figuren bis auf den stets positiv gestimmten Emmet ständig für neue Angriffe der Invasoren rüsten.

Eines Tages erscheint ein General namens Mischmasch (Stephanie Beatriz) auf der Bildfläche und entführt in seinem Raumschiff Lucy, Batman (Will Arnett) und einige andere enge Freunde Emmets – was diesen schließlich dazu bewegt, eine Reise ins Ungewisse anzutreten. Auf seinem Weg in das galaktische Universum der Königin Wasimma Si-Willi (Tiffany Haddish), die eine große Hochzeit plant, ihre gekidnappten Gäste mit allen Mitteln von ihren guten Absichten überzeugen will und dabei nur von der skeptischen Lucy Gegenwind bekommt, findet der Protagonist ganz unerwartet einen draufgängerischen Freund und Helfer.

Der Ritt durch verschiedene Bauklotz-Universen ist gewiss erneut die beste Werbung für den dänischen Spielzeuggiganten LEGO und seine unzähligen Themenwelten. Wie schon im ersten Teil schießen die Macher – Phil Lord und Christopher Miller übergaben den Regiestab an Mike Mitchell (Trolls), blieben als Drehbuchautoren und Produzenten allerdings mit an Bord – aus allen nur erdenklichen Rohren. Spätestens mit Eintritt in den galaktischen Raum ergießt sich ein Bombardement aus optischen Kabinettstückchen, Filmzitaten, quirligen Gesangseinlagen, Wortwitzen und Meta-Scherzen über das Publikum, das für Jung und Alt so manche Köstlichkeit bereithält.

Die liebevoll und sorgfältig gestaltete Baustein-Optik, die einmal mehr Verschleißspuren und Fingerabdrücke an den Figuren berücksichtigt, wirkt nach wie vor erfrischend und hebt sich von anderen Animationsstilen ab. Handwerklich beeindruckt auch das zweite Emmet-Abenteuer, erscheint mit seinem bunten Dauerfeuer aber noch ein Stück hektischer als Kapitel eins. Über eine Stunde lang verhindert der Alles-ist-möglich-Ansatz die Entfaltung erzählerischer Akzente und das Aufkommen ehrlich berührender Momente, bis schließlich im letzten Drittel spannende Botschaften und überraschende Wendungen dem Ganzen mehr Substanz verleihen. Hier zeigt sich, dass es den Verantwortlichen nicht nur auf das Spektakel ankommt, sondern dass sie auch an Aussagen zu einem respektvollen Miteinander interessiert sind. Bei aller Freude über diesen Drehbuchschwenk fragt man sich dennoch, warum Mitchell und Co nicht vorher schon ein paar Verschnaufpausen zum Reflektieren und Bündeln von Emotionen einbauen.

Passend zum etwas konfusen Plot-Aufbau fällt der Umgang mit dem aus Teil eins bekannten Motto-Song Hier ist alles super ein wenig unentschlossen aus. Zwischendurch beweisen der Regisseur und seine Mitstreiter Selbstironie, wenn sie sich über die seicht-poppigen Ohrwurm-Qualitäten ihres Liedes lustig machen und es in einer abgeänderten Form zum Besten geben. Am Ende wird der Gassenhauer allerdings doch wieder innig umarmt. Das zwiespältige Gefühl, das einen dabei beschleicht, ist kennzeichnend für den ganzen Film, der im Austausch für mehr Herz und inhaltlichen Tiefgang ruhig auf ein paar Späße und visuelle Spielereien hätte verzichten können.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/the-lego-movie-2-2019