Checker Tobi und das Geheimnis unseres Planeten (2019)

Einmal abchecken, woher eigentlich das Leben kommt

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Um herauszufinden, was dahintersteckt, muss Tobi (Tobias Krell) durch die Welt reisen: an den Rand eines Vulkans auf der Südseeinsel Vanuatu, unter die Meeresoberfläche vor der Küste Tasmaniens, zu einer Forschungsstation in der Arktis und schließlich nach Mumbai, eine der größten Städte Indiens. Für Checker-Tobi und sein Publikum sind allerdings Besuche
in fremden, auch fernen Ländern keine völlige Neuigkeit. In dem wöchentlich auf ARD und KIKA ausgestrahlten Format – seit Mitte 2013 gab es schon über 100 Folgen – spricht Krell primär Grundschüler_innen an und wendet sich immer einem ganz konkreten Thema oder einigen wenigen Fragestellungen zu.

Die 2010 beendete, von der gleichen Produktionsfirma verantwortete TV-Serie Willi will’s wissen als Vorläufer-Konzept grüßt da aus dem Hintergrund ebenso wie der eher etwas albern geratene Kinofilm Willi und die Wunder dieser Welt, der durchaus Ähnlichkeiten zu Checker-Tobi und das Geheimnis unseres Planeten aufweist, aber nochmal deutlich aufgedrehter und angestrengter daherkam. Krell wirkt da in den unterschiedlichen Regionen der Welt stets gelassen, die ganze Inszenierung ist ruhiger und klarer.

Seine Methode, seine direkte und sehr offene Ansprache sowohl der Kamera als auch der Welt um ihn herum trägt der Moderator also aus der Fernsehsendung auch in den Kinofilm hinein. Was fehlt, sind die Zwischenschnitte ins Studio; dafür gibt es zwischendurch sehr schön gestaltete Animationen, die wesentlich aufwändiger gemacht sind als die Einblendungen, die in der TV-Sendung üblicherweise zu sehen sind.

Die wesentliche Charaktereigenschaft von „Checker-Tobi“ ist seine Neugier – kindgerecht kombiniert mit der Eigenschaft, auch vermeintlich einfache Fragen jedenfalls mal auszusprechen. Dass Krell dabei stets wirklich interessiert und aufmerksam wirkt, gibt der Sendung und jetzt auch dem Film eine Note von Authentizität, die wesentlich ist – denn zum
einen ist der Moderator nie belehrend, sondern stets selbst (vermeintlich) ahnungslos; zum anderen bekommt er so genau die Antworten, nach denen sein Publikum ebenfalls fragen würde.

Was dabei leider auf der Strecke bleibt, ist die Tiefe, sind jene Fragen, die zu stellen im Kinofilm Zeit und Raum gewesen wäre – und für die Krell mit den Menschen, die ihn auf seinen verschiedenen Stationen begleiten, womöglich auch Ansprechpartner_innen hätte. Leider wird nicht immer klar, welche Rolle sie genau spielen – sind es Wissenschaftlerinnen,
Abenteurer, Zufallsbekanntschaften? Ulla Lohmann zum Beispiel, mit der Krell bis an den Rand eines Vulkans geht, hat es zu ihrem Beruf gemacht, Filmproduktionen in unwirtliche Gegenden zu begleiten – und während man (und damit ist nicht nur der Filmkritiker gemeint, sondern vor allem seine Kinder) vor Fragen zu Vulkanen überzuschäumen droht, unterhalten
Lohmann und Krell sich nur über ihre Ehrfurcht vor dieser Naturgewalt.

Das ist natürlich nicht verkehrt – etwas mehr Ehrfurcht und Demut gegenüber der Natur täte uns allen gut –, aber es will für jemanden, der hier auf der Suche nach dem Geheimnis unseres Planeten ist, irgendwie auch nicht genügen; da mögen die Bilder vom Rande des Vulkans, von der glühenden, spritzenden Lava noch so atemberaubend sein (und das sind sie).

Das Muster wiederholt sich dann leider auch an allen anderen Orten: In der Arktis spricht Checker-Tobi mit einer leibhaftigen Wissenschaftlerin, und auch wenn diese tatsächlich über ihre Arbeit spricht, so bleibt doch immer das Gefühl zurück, dass da ein paar Fragen mehr noch ganz andere Dimensionen des Verstehens eröffnet hätten.

Und, ja, das hätte auch und gerade Grundschüler_innen noch interessiert – vor allem aber ältere Kinder nicht hängen lassen. Dabei ist der Film ansonsten in allem vorbildlich darin, wie er sich an die Perspektive seines Publikums annähert. Alle Ereignisse werden eingeführt und beschrieben, jeder Schritt erklärt, jede Veränderung angekündigt; nichts bleibt einfach so stehen. Dass ein Großteil der Szenen dabei inszeniert ist, verhehlt Regisseur Martin Tischner keinen Moment – da gibt es eine etwas alberne Verfolgungsjagd in Mumbai, und dass Krell und seine Begleitung natürlich immer noch ein paar Leute vom Kamerateam dabei hatten, hat „Checker-Tobi“ in seiner Fernsehsendung auch schon explizit thematisiert.

Damit es wirklich jede_r merkt, kündigt Krell einige Male sehr lautstark vor der Kamera an, jetzt dringend aufs Klo zu müssen – das wäre nicht unbedingt nötig gewesen, aber wenn’s schon mal da ist, wundert der fehlende Mut, es bis zum Filmende konsequent durchzuziehen. Das ist, wenn man so will, symptomatisch für den Film – was aber nichts daran ändert, dass er für neugierige Kinder einen gut gemachten, entspannten und auch nie unpolitischen Blick auf die Welt bietet, umwerfend schöne Bilder eingeschlossen. Eltern sollten sich allerdings vorab schon einmal darauf einrichten, anschließend womöglich sehr viele Fragen zu den wirklich faszinierenden Bärtierchen beantworten zu müssen. Deshalb hier schon einmal der Link zum zugehörigen Wikipedia-Artikel. Danken Sie mir später.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/checker-tobi-und-das-geheimnis-unseres-planeten-2019