The Cured (2017)

Schuld(un)fähig

Eine Filmkritik von Lucia Wiedergrün

Erzählt wird die Geschichte des geheilten Senan (Sam Keeley), der nach Jahren der Institutionalisierung von seiner Schwägerin Abbie (Ellen Page) und deren kleinem Sohn aufgenommen wird. Obwohl Abbie ihren Mann durch Zombiehand verloren hat, steht sie der Rückkehr der Cured in die Gesellschaft zunächst wohlwollend gegenüber. Doch die Begegnungen mit Senans ebenfalls geheiltem Freund Conor, wunderbar gespielt von Tom Vaughan-Lawlor, lassen sie zunehmend misstrauisch gegenüber den weiteren Ambitionen der Cured werden. Gerade deren vermehrt militantes Engagement für die Resistants, einen kleinen Prozentsatz Infizierter, bei denen die Heilungsversuche bisher erfolglos blieben und die im Auftrag der Regierung aus Gründen der allgemeinen Sicherheit nun getötet werden sollen, führen zu weiteren Spannungen.

Aus dieser Ausgangslage entwickelt der Film eine zunächst sehr sensible Studie über gesellschaftliche Ausschlussmechanismen. Vor der Folie der jüngeren irischen Geschichte wird der Hass, der den zurückgekehrten Cured entgegenschlägt, über Anti-Cured-Graffitis und feindselige Schmierereien an Hauswänden inszeniert, die das Stadtbild durchziehen. Selbst wenn körperliche Anfeindungen vorerst noch ausbleiben, wird so eine Atmosphäre der Angst und der Verachtung geschaffen, welche die Figuren bei allen Wegen durch die Stadt begleitet. Hinzu kommt die allgegenwärtige militärische Präsenz, überall sind noch die Zäune und Checkpoints zu sehen, an denen die Cured sich fortwährend als andersartig ausweisen müssen, indem sie das rotgeäderte Mal zeigen, das sich unter ihrem unteren Augenlid festgesetzt hat.

Diese sehr ruhigen, mit nahen Kameraeinstellungen gefilmten Momente werden immer wieder durch jump-scare-artig einsetzende Erinnerungsbilder durchbrochen, die vor expliziten Gewaltdarstellungen nicht zurückschrecken, sich aber in erster Linie durch ihre ohrenbetäubende Lautstärke bemerkbar machen. Daran knüpft sich wortwörtlich die Frage, wer Gehör findet im gesellschaftlichen Diskurs. Zu Beginn des Films werden Fernsehbilder gezeigt, die auf der Straße interviewten Menschen zeigen sich alle skeptisch gegenüber der Reintegration der Cured. Über die Video-Ästhetik der Kamerabilder setzt sich ihre Meinung klar ab und bekommt eine herausgehobene Position. Ihnen stehen die Resistants gegenüber, die in ihrem Zombiezustand jeglicher Sprache beraubt sind. Das Schreien scheint daher die ihnen einzig mögliche Form der Kommunikation zu sein.

Diese ambivalente Haltung gegenüber gesellschaftlichen Schuldfragen flacht im letzten Drittel des Films leider etwas zugunsten klassischerer Gut-gegen-Böse-Dichotomien ab. Was bleibt, ist dennoch eine spannende filmische Auseinandersetzung mit den Langzeitfolgen von Gewalt, die damit hochaktuelle Fragen anspielt und den Zuschauer*innen die Chance lässt, eigene Schlussfolgerungen zu ziehen. Die Botschaft des Films ist klar: einfache populistische Antworten können nicht die Lösung sein.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/the-cured-2017