Marlina - Die Mörderin in vier Akten (2017)

Eine Hühnersuppe mit Folgen

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Aber dieser erste Eindruck sollte nicht täuschen, denn Marlina ist kein wehrloses Opfer, dieser Film keine weitere misogyne rabenschwarze Komödie. Vielmehr beginnt Mouly Suryas Marlina – Die Mörderin in vier Akten in diesem ersten Akt als veritabler Rachewestern, in dem Marlina nicht passiv bleibt, sondern sich ihr Zorn nicht nur angesichts der angekündigten Gewalt entlädt. In den folgenden drei Akten dann bleibt zwar die Landschaft, die an den Western erinnert, doch der Ton verändert sich, der Film entwickelt sich immer mehr zu einem Rachedrama in voller Konsequenz. Im zweiten Teil macht sich Marlina mit dem Kopf des Eindringlings auf den Weg zur Polizei. Hier trifft sie ihre hochschwangere Bekannte Novi (Des Panendra), die nach ihrem Mann sehen will, der glaubt, dass die verspätete Geburt beweist, dass sie sexuell untreu ist. Also droht er, sich von ihr abzuwenden. Denn die Männer auf der Insel Sumba in Indonesien glauben sich immer im Recht – sei es bei den Verbrechen, in den Beziehungen oder im Irrglauben.

Doch wird Marlina weder Gerechtigkeit erfahren noch Novi ihren Mann von ihrer Treue überzeugen. Es gibt für Frauen in der dieser durch und durch patriarchalen Gesellschaft Indonesiens nichts, es sei denn, sie holen es sich selbst. Deshalb spielen die Polizisten lieber weiter Tischtennis, deshalb hat Novis Mann keine Skrupel, seine hochschwangere Frau in den Sand zu stoßen. Gewalt gegen Frauen ruft Gleichgültigkeit seitens der Männer hervor, dabei unterstreicht die gewaltige Landschaft die Hilflosigkeit dieser Frauen. Alle Menschen wirken hier hart und unnahbar, so als hätten die Sonne und die Hitze ihre Gefühle weitgehend ausgebrannt und fiele ihnen sogar das Atmen schwer. Diese Landschaft bietet – wie die Gesellschaft – keinerlei Zuflucht oder Schutz. Nur einen kurzen Moment lang darf Marlina zur Ruhe kommen, als sie in einem provisorischen Restaurant mit einem jungen Mädchen sitzt. Aber letztlich gibt es für sie – und die anderen Frauen dieses Films – nur einen Weg zur Erlösung: Sie müssen selbst handeln und die Macht über ihr Leben zurückgewinnen. Deshalb wird die Gewalt in diesem Film auch nicht zelebriert, sondern vielmehr als notwendiger Akt inszeniert.

Marlina – Die Mörderin in vier Akten ist ein wundersamer, knallharter Film, der mit den Konventionen verschiedener Genres auf die Gesellschaft in Indonesien blickt. Sehenswert.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/marlina-die-moerderin-in-vier-akten