Grießnockerlaffäre

Der missmutige Dorfpolizist hat Hunger

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Diesmal aber schmeckt Franz und seinem Vater die Grießnockerlsuppe nicht. Denn es gibt seit Tagen nichts anderes mehr. Sollte sich in diesem Überdruss auch eine Angst des Regisseurs Ed Herzog und des Drehbuchautors Stefan Betz spiegeln, den Geschmack des Publikums allmählich ausgereizt zu haben? Früher oder später muss so etwas bei einer Reihe ja passieren. Dieses Schicksal vor Augen, kommt es also darauf an, es auch inhaltlich zu verarbeiten und ein paar Grautöne zuzulassen.

Selbst in der Buchvorlage macht sich erzählerisch leichte Ermüdung bemerkbar. So liest es sich allmählich nicht mehr lustig, wie der Franz es vermeidet, mit seiner Dauerfreundin Susi (Lisa Maria Potthoff) zusammenzuziehen. Der Film weiß dieses Problem zu entschärfen, hauptsächlich, weil Susi nur selten vorkommt. Der Franz schaute auch schon früher oft missmutig drein, aber jetzt tut er das richtig selbstbewusst. Schlechte Laune ist Teil seines Images und verleiht ihm einen gewissen Respekt. Das lässt sich am besten beobachten, wenn Franz seinen Freund, den Privatdetektiv Rudi Birkenberger (Simon Schwarz), ungerührt für sich ermitteln lässt. Rudi hängt sich mächtig ins Zeug, weil ihm die Anerkennung des Freundes irgendwie mehr bedeutet als umgekehrt.

Nicht nur Sebastian Bezzel und Simon Schwarz, auch die anderen Stammschauspieler haben sich ihre jeweiligen Rollen längst wie eine zweite Haut angeeignet. Eisi Gulp ist als Franz' kiffender Vater immer eine Schau, besonders wenn er im Vorbeigehen „Polizeistaat!“ ruft. Urige Typen, denen man so ähnlich in der bayerischen Provinz mit einiger Wahrscheinlichkeit begegnen kann, spielen auch Stephan Zinner als Metzger Simmerl, Max Schmidt als Wirt Wolfi und Daniel Christensen als “Heizungspfuscher“ Flötzinger. Diese drei sind Franz' Stammtischbrüder, eine Art dörfliche Notgemeinschaft, wenn es darum geht, die Freizeit totzuschlagen. Mitten im Film muss sich das betrunkene Quartett für eine peinlich ausgewalzte Klamaukszene hergeben und laut lärmend durch die Straßen kurven. Dabei waren die Vorgängerfilme gerade so lustig, weil sie die Provinzrealität im Blick behielten. Dass filmisch auch ein ganz anderes Kaliber möglich gewesen wäre, enthüllt erst der Abspann, der alles, was vorher zu sehen ist, regelrecht in den Schatten stellt. Dann nämlich tragen der Flötzinger und der Simmerl eine herrliche satirische Nummer über das zwiespältige Vergnügen ihrer Freundschaft vor.

Frischer Wind weht in diese Szenerie vor allem durch die wunderbare Lilith Stangenberg, die schon in Nicolette Krebitz' Wild bewies, welche Kraft sich hinter ihrer blassen Erscheinung verbirgt. Hier spielt sie die zwielichtige russische Witwe eines Mordopfers, die ins Visier des Ermittlers Franz gerät, obwohl er als Hauptverdächtiger gar nicht ermitteln sollte. Aber der unglaubwürdige Krimiplot ist erneut nur Vorwand für das lustige Eintauchen in den Provinzkosmos mit dem Polizisten, der auch in Uniform für die Oma der Bub bleibt. Die Oma übrigens hat einen romantischen Grund, die Verpflegung des Enkels und des Sohnes zu vernachlässigen, aber das geht auf Dauer nicht. Schließlich wird diese Oma für das geliebt, was sie auf den Tisch bringt.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/griessnockerlaffaere