Berlin Falling

Ein Fall aus großer Höhe

Eine Filmkritik von Sonja Hartl

Dieses erste Drittel ist spannend inszeniert. Früh ahnt man, dass mit Andreas etwas nicht stimmt, innerhalb dieses engen Raumes eines Autos entspinnt sich ein Machtspiel zwischen den Männern, bei dem es zu einigen Wendungen und Zwischenfällen kommt. Die Beklemmnis des Wagens wird in der spannungsreichen Kameraarbeit von The Chau Ngo sehr gut angefangen. Sobald Frank das Auto verlässt, geschieht etwas – und hier erweisen sich sogar die Weite eines Waldstücks oder auch die Straßen von Berlin als ausweglos.

Hinzu kommt, dass mit der Bombe ein zeitlicher Druck aufgebaut wird: Andreas droht, sie zu einem bestimmten Zeitpunkt zu zünden, vorher muss Frank aber noch gewisse Dinge erledigen. Dabei stellen sich anfangs spannungstreibende Fragen: Was will Andreas wirklich? Und ist Frank eigentlich zu trauen? Immerhin ist er ein Säufer mit psychischen Problemen und vermutlich einer posttraumatischen Belastungsstörung. Aber je näher das Duo Berlin kommt, desto mehr Erklärungen gibt es - und hier will Ken Duken in seinem Regiedebüt dann doch zu viel: Es stellt sich heraus, dass Frank nicht zufällig ausgewählt wurde, sondern als Soldat der Bundeswehr in Afghanistan gekämpft hat. Dort musste er mit ansehen, wie Kinder sterben, seither ist er traumatisiert und mit diesem Auslandseinsatz begann sein Abstieg. Nun soll er selbst zum Attentäter werden. Andreas ist überzeugt, dass Menschen wie Schafe sind und einen Hirten brauchen – und er sieht sich selbst in dieser Rolle. Deshalb plant er nun einen Anschlag in Berlin, den Frank ausführen soll. Natürlich wird auch Franks Familie bedroht, natürlich ist Andreas ein Terrorist mit einem Netzwerk im Hintergrund. Aber mit diesen Erklärungen schleichen sich auch Widersprüche ein: Woher wusste Andreas beispielsweise, wann und wo Frank halten wird. Und was ist letztlich seine Motivation?

Darüber hinaus sind diese Handlungselemente nicht originell, vielmehr wirken sie wie Versatzstücke aus anderen Filmen und Serien. Die Schaf-Analogie ist schon zentral in American Sniper, die Vater-rettet-Familie-Nummer hinreichend bekannt aus der Taken-Reihe und über den Prozess der Radikalisierung hat Hatufim - In der Hand des Feindes schon einiges erzählt. Dadurch wird die Handlung überdies vorhersehbar – inklusive des Endes. Glücklicherweise tragen aber immerhin die beiden Hauptdarsteller dazu bei, dass man ein wenig Interesse aufrechterhält. In Erinnerung von Berlin Falling bleibt aber letztlich vor allem der Mut, in Deutschland diesen Genrefilm anzusiedeln und zu realisieren. Und mit einem besseren Drehbuch könnte da das nächste Mal ein richtig guter Film herauskommen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/berlin-falling