Peter Hase (2018)

Wenn ein Hase Dynamit in die Pfoten kriegt

Eine Filmkritik von Verena Schmöller

Peter (gesprochen von Christoph Maria Herbst) ist der älteste von vier Hasenkindern, seine Drillingsschwestern Flopsy (Heike Makatsch), Mopsy (Jessica Schwarz) und Wuschelpuschel (Anja Kling) haben ihn als Anführer akzeptiert – spätestens seitdem die Eltern gestorben und sie allein auf sich gestellt sind. Im Hasenbau unter einem alten Baum wohnt außerdem Cousin Benedikt Kaninchen, und zu fünft sorgen sie dafür, dass ihnen Essen und Spaß nie ausgehen.

Für beides sorgt der nachbarliche Garten des grimmigen Mr. McGregor (Sam Neill). Der alte Mann hegt und pflegt seinen großen Garten, indem er allerlei Obst und Gemüse anbaut und für Wasser im Mund nicht nur bei den Hasen, sondern auch vielen anderen Tieren in der Nachbarschaft sorgt. Regelmäßig klettern Peter und Benedikt durch den Zaun und stibitzen, was ihnen zwischen die Pfoten kommt: Tomaten, Auberginen, Bohnen oder Beeren. Sie werfen alles in eingeübter Choreografie über den Zaun, während die drei Mädels Schmiere stehen und gleichzeitig die Beute auffangen.

Ein erbitterter Kampf zwischen Mann und Hase führt eines Tages dazu, dass McGregor stirbt: Er hat während der Rangelei einen Herzinfarkt, aber Peter fühlt sich sofort als Held und zelebriert die Rückeroberung ‚seines‘ Gartens. Die Tiere feiern daraufhin eine große und ausgelassene Party und belagern auch das Haus der McGregors – bis Neffe Thomas (Domhnall Gleeson) aus London in die Provinz kommt, weil er das Anwesen geerbt hat und ohnehin eine Auszeit braucht.

Auch Thomas entpuppt sich als Tierhasser und ist noch erfinderischer beim Bau von Zäunen und Anti-Hasen-Maßnahmen, als es sein Onkel je gewesen ist. Allerdings verliebt er sich auch in die Nachbarin, die Künstlerin Bea (Rose Byrne), die sich der Hasenkinder nach dem Tod von deren Eltern als Quasi-Ersatzmama angenommen hat und Tiere über alles liebt. Sie kümmert sich um die Hasen, pocht auf deren Recht auf Nahrung und sie malt sie hin und wieder – hier finden die Originalzeichnungen von Beatrix Potter gekonnt Eingang in den Film. Die Idee liegt nahe, kommt aber auch ganz natürlich daher und schafft zusätzlich zu den Charakteren einen weiteren Bezug zum Kinderbuch.

Der Film Peter Hase basiert nämlich auf den Figuren – er denkt ihre Geschichte nach dem Tod der Mutter weiter und versetzt sie ins Hier und Jetzt. Peter ist immer noch so wild und ungestüm wie in der Originalgeschichte, aber er wendet nun selbstverständlich andere Methoden an, als lediglich Haken zu schlagen und sich unter einen Zaun hindurch zu zwängen: Der Hase in der blauen Jacke kennt sich mit Stromschaltkreisen aus, weiß, wie man auf fahrende Autos oder Züge aufspringt und zündet Sprengstoff. Er traut sich gar nach London, um Thomas bei seiner Arbeit aufzusuchen, und lässt sich von einer Maus die Sehenswürdigkeiten der Hauptstadt zeigen. Das ist gewiss ein Pluspunkt des Films: Dass er versucht, die Figur Peter Hase im heutigen England zu denken (woran sich einige BeatrixPotter-Fans bestimmt stören werden) und gleichzeitig den Charme der Buchvorlage beibehält – in den Kostümen der menschlichen Figuren oder den Häusern auf dem Anwesen.

Damit ist dem Filmteam um Will Gluck ein unterhaltsames Familienfilmabenteuer gelungen. Peter Hase ist spannend, actionreich, rührig und voller liebenswürdiger Figuren – die auch Fehler machen und lernen müssen, das zuzugeben. Die Mischung aus Animation und Realfilm erzählt eine Geschichte von Freundschaft und Zusammenhalt, aber auch von Regeln und Verboten. Und immer wieder kommen auch die erwachsenen Zuschauer auf ihre Kosten, wenn Peter Hase sich darüber aufregt, dass heutzutage jeder allergisch auf alles sei, oder Umweltprobleme thematisiert. Oder aber wenn die Off-Erzählerstimme Gezeigtes in einen völlig anderen Kontext setzt und süffisant auf die Hintergründe für das Handeln der Figuren aufmerksam macht. Damit kommen auch die Eltern auf ihre Kosten – ein perfekter Film für die Osterferien.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/peter-hase