Forget About Nick (2017)

Zwei im selben Boot

Eine Filmkritik von Bianka Piringer

Der Stoff klingt wie geschaffen für eine muntere Boulevardkomödie, zumal das schicke Loft den beiden Protagonistinnen einen äußerst attraktiven Zufluchtsort und eine Basis für Expeditionen in eine Stadt bietet, in der bekanntlich Träume wahr werden können. Eine verheißungsvolle Atmosphäre durchzieht diesen Film der Regisseurin Margarethe von Trotta, die das Drehbuch von der New Yorkerin Pam Katz schreiben ließ, die bereits ihre Co-Autorin bei Hannah Arendt und Rosenstraße war und auch das Drehbuch zu Die andere Frau verfasste.

Maria und Jade haben völlig unterschiedliche Auffassungen und Geschmäcker, also ist Streit vorprogrammiert. Aber Jade, das Ex-Model, das immer noch auf eine schlanke Linie achtet, kann Marias Back- und Kochkünsten nicht widerstehen. Es macht Spaß, den beiden Charakteren zuzuschauen, wie sie ihren Alltag gestalten, neue Schritte wagen, sich zuhause darüber streiten, wer den besseren Weg im Leben gewählt hat, wer Nick besser versteht, wer sich selbst weniger vormacht. Die beiden Hauptdarstellerinnen wirken sehr attraktiv und sympathisch mit ihrem vitalen, gewitzten Spiel.

Maria will jetzt, da die Kinder erwachsen sind, wieder Literatur unterrichten. Doch eine Schuldirektorin sagt ihr, dass sie zu wenig Berufstätigkeit vorweisen kann. Also begnügt sie sich vorerst damit, ein privates Lyrikseminar zu veranstalten. Jade steht permanent unter Druck, denn sie will ein eigenes Modelabel etablieren. Nick hat Geld in das Projekt gesteckt, doch seit der Trennung hadert Jade mit dem Gespenst des Älterwerdens und einer Modebranche, die sich an junge Frauen wendet. Müssen sich Frauen um die 40 wirklich für unattraktiv halten, nur weil Nick und Männer seines Schlages das glauben, oder kann Jade ihr Selbstbewusstsein retten und in Mode verwandeln?

Manchmal weckt die Wohlfühlkomödie Erinnerungen an Woody-Allen-Filme, auch mit dieser Hoppla-Hopp-Manier, in der die Figuren miteinander umspringen. So erscheint bald Nick zu Besuch, aber er schenkt der armen Jade, die sich ihm an den Hals werfen will, weniger Beachtung als Marias Apfelstrudel. Jedoch fehlt Margarethe von Trotta und Pam Katz Woody Allens komödiantisches Gespür. Schon allein, dass dieser doofe Nick, den die Frauen laut Titel ja vergessen sollen, nicht einfach in der Versenkung verschwindet, ist ein Ärgernis. Versöhnliches steht hoch im Kurs. Die filmische Betrachtung erfolgt sozusagen von höherer Warte, abgeklärte Souveränität liegt ihr mehr am Herzen als das Durchschreiten emotionaler Niederungen.

Ein paar feministische Themen spielen natürlich auch mit hinein, die Solidarität von Frauen betreffend und den klassischen Disput, wer mehr versäumt, die Singlefrau mit Karriere oder die Mutter ohne Karriere. Mit der Figur der Maria springt die Geschichte sehr stiefmütterlich um. Ihr anfänglicher Frohsinn verwandelt sich in Bedrücktheit, als ihre Tochter Antonia (Tinka Fürst) mit Söhnchen Paul (Vico Magno) zu Besuch kommt. Denn Maria muss bald den Enkel hüten, während Jade und Antonia ein neues Parfüm kreieren. Maria wirkt wie eine Figur ohne Mitte, für eine Rächerin zu verträglich und zu mütterlich, trotz ihrer bissigen Worte.

Im Finale macht sich der generelle Mangel an Schärfe geradezu enttäuschend bemerkbar. Auf einmal hat es die Geschichte eilig, sich schnell und reibungslos in Wohlgefallen aufzulösen, wie das im Genre leider durchaus üblich ist. Mehr Kreativität und Präzision hätten dieser Komödie gutgetan.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/forget-about-nick