Eine unsterbliche Liebe - Bajirao Mastani

Polyamoröse Ansätze auf historischem Terrain

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Eines Tages verschafft sich die verzweifelte Prinzessin Mastani (Deepika Padukone) energisch Zutritt zum Zelt Bajiraos, der sich gerade mit seinen Truppen auf einem Eroberungsfeldzug befindet, und bittet den mächtigen Mann um Unterstützung, denn ihr Vater König Chhatrasal (Benjamin Gilani) befindet sich mit seinem Volk in einer militärisch nahezu ausweglosen Situation. Beeindruckt von der aparten Vehemenz Mastanis startet Bajirao eine spektakuläre Rettungsaktion, während der er sich von den Kampfkünsten der Prinzessin bezaubern lässt, die ihm im Verlauf ihrer kurzen Bekanntschaft auch noch mit ganz anderen Qualitäten imponiert. Bajirao nimmt König Chhatrasals Einladung an, das farbfrohe Holi-Fest an seinem Hof mitzufeiern, und es entstehen freundschaftliche Bande zwischen den beiden Männern. Es geschieht, was unvermeidlich ist: Auch Mastani und Bajirao kommen sich nah und näher, und als der Peshwa ihr in einem intimen Moment seinen Dolch verehrt, begreift die Königstochter diese Geste ihren Traditionen gemäß als ein Eheversprechen.

Als Bajirao heimkehrt, ist Mastani fest entschlossen, ihm zu folgen, und so verlässt sie bald ihre Heimat und Familie, um sich im Umfeld Bajiraos die Position als seine zweite Frau zu erkämpfen, was allerdings vor allem von dessen wachsamer Mutter Radhabai (Tanvi Azmi) missbilligt wird, ganz zu schweigen von seiner Gattin Kashibai. Dabei gerät Mastani immer mehr ins Spannungsfeld der höfischen Intrigen, während Bajirao einerseits nicht von ihr lassen kann, andererseits aber auf Grund seiner Position als Peshwa und Ehemann immer wieder auf Distanz geht, bevor er den Mut aufbringt, die fremde Prinzessin offiziell zu seiner zweiten Frau zu proklamieren. Als sowohl Kashibai als auch Mastani einen Sohn gebären, spitzen sich die Schwierigkeiten erneut zu ...

Mit einem Budget von rund 18 Millionen US-Dollar, einer Vorbereitungszeit von mehr als zwölf Jahren und einem letztlich hervorragenden Ensemble, dessen Rekrutierung sich zunächst recht holprig entwickelte, zeigte sich Eine unsterbliche Liebe – Bajirao & Mastani als opulent angelegte, aufwändig gestaltete Mammut-Produktion an den Kinokassen zuvorderst in Indien, China und den USA immens erfolgreich. Basierend auf dem Roman Raau des marathischen Schriftstellers Nagnath S. Inamdar konzentriert sich das epische Drama auf die kuriose historische Liebesgeschichte zwischen dem charismatischen Peshwa Bajirao und seiner zweiten Frau Mastani, die auch von einer durch Toleranz geprägten Korrelation von hinduistischer und muslimischer Religionszugehörigkeit geprägt war, was auch im Film würdig repräsentiert wird. Deutlich auf die Tragik der Ereignisse und Konstellationen ausgerichtet, herrscht atmosphärisch eine gewaltige Schwermut vor, die lediglich von kleinen Momenten des Glücks und der Harmonie durchzogen wird und insgesamt die Entbehrungen der Protagonisten in den Fokus stellt, die sich jedoch stets erneut bewusst für ihr von Opfern dominiertes Schicksal entscheiden.

Jenseits der großartigen historischen Geschichte ist es vor allem das Beziehungsgeflecht um Mastani und Bajirao, dem hierbei besondere Berücksichtigung widerfährt und das in seinen ausführlich gezeichneten Ausprägungen seltsamerweise höchst modern anmutet. Angesichts von fortlaufend aktuell viel diskutierten Beziehungsmodellen wie zuvorderst Polyamory transportiert Eine unsterbliche Liebe – Bajirao & Mastani reichlich relevante und kluge Aspekte hinsichtlich der Emotionen und Gedankenkonstrukte aller Beteiligten, die sich von herkömmlich festgezurrten Vorstellungen von Liebe und Verbundenheit zu emanzipieren beginnen. Für dieses indische Historiendrama aus dem Jahre 2015 ist dies gleichermaßen erstaunlich wie respektabel und verweist einmal mehr auf Sanjay Leela Bhansali – wie bereits bei Ram & Leela auch hier wieder für die Filmmusik verantwortlich – als mutigen Regisseur und Drehbuchautor, der das Talent und die Tapferkeit besitzt, brisante Beziehungen und ihre Bruchstellen auch in primär romantisch intendierten Kontexten kritisch und inspirierend zu thematisieren.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/eine-unsterbliche-liebe-bajirao-mastani