Blood Father

Ein Vater sieht rot

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Dann eines Tages wie aus heiterem Himmel ruft seine Tochter wieder an und bittet ihn um Hilfe. Sie hat sich mit den falschen Leuten eingelassen, einer Drogenbande aus Mexiko, die gegen den Willen des Paten eigene schmutzige Deals durchgezogen hat, Als Lydia dazu gezwungen werden sollte, eine unschuldige Frau umzubringen, hat sie Jonah, den Boss der Gangster, niedergeschossen und befindet sich seitdem auf der Flucht. Also muss Daddy nun ran und versucht die verzwickte Angelegenheit mit Hilfe seiner alten Unterweltkontakte und ohne Verstoß gegen die Bewährungsauflagen zu regeln. Allerdings muss er schnell feststellen, dass die Typen, die hinter seiner verlorenen Tochter her sind, ziemlich gefährlich sind ...

Väter, die um ihre Familien bzw. Töchter kämpfen, sind ein beliebter Topos im Actionkino der vergangenen Jahre - Liam Neeson kann davon mehr als nur eine Oper singen. Und wenn man es recht betrachtet, begann ja auch Mel Gibsons Karriere in Mad Max genau so. Dass Neeson und der australische Action-Haudegen dabei eigentlich recht alte Väter sind, wird dabei durch jede Menge Adrenalin, Blei und Blut wettzumachen versucht. Was 96 Hours / Taken von Blood Father unterscheidet, ist freilich die spezifische Familiensituation. Denn im Vergleich zu diesem John Link kann sich Neesons Bryan Mills vergleichsweise glücklich schätzen, wenngleich dies bedeutet, dass dessen Fallhöhe um einiges höher ist als dies in Blood Father der Fall ist. John Link ist ein Überlebender, der bereits alles verloren hat. Als seine Tochter, die er kaum kennt, ihn unvermutet kontaktiert, vegetiert er eher dahin, als dass er wirklich noch ein Ziel im Leben hat. Dies ergibt sich erst, als Lydia vor ihm steht. Nun hat er die Chance, vielleicht ansatzweise etwas wiedergutzumachen, was er früher aufgrund seines Alkoholproblems und seines Knastaufenthaltes versäumt hatte. Dabei muss er schnell lernen - zum Teil in Sekundenbruchteilen, wenn er immer wieder in Situationen gerät, bei denen schnelles Handeln und instinktive Entschlüsse gefragt sind -, dass sich der bedingungslose Kampf ums Überleben mit seinen Bewährungsauflagen nicht unter einen Hut bringen lässt. Hat er das akzeptiert, wird dem Zuschauer schnell klar, dass der Weg, auf dem er sich befindet, einer ohne Wiederkehr sein wird.

Dennoch ist Blood Father nicht nur ein grimmiges Action-Drama, sondern weist immer wieder kurze, blitzlichtartige Momente von Humor und Harmonie auf, in denen Lydia und John mit all den Problemen zu kämpfen haben, denen sich Väter und Töchter während der Pubertät und des damit verbundenen Abnabelungsprozesses ausgesetzt sehen. Dass John Link ausgerechnet dem verabscheuungswürdigen Liebhaber und Verführer seiner Tochter den Arsch aufreißt, passt dann allen Sperrigkeiten zum Trotz bestens in ein erzkonservatives Familienbild, das sich gerade in den USA großer Beliebtheit erfreut.

Von solchen Untertönen einmal abgesehen, ist Blood Father beileibe kein Meisterwerk, aber gute, solide inszenierte und für Mel Gibson nahezu maßgeschneiderte Action-Kost, die als DVD-Veröffentlichung genau den Verbreitungskanal gefunden hat, den sie verdient.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/blood-father