Edgar Allan Poe - Geschichten des Wahnsinns

Poe in Kurzform

Eine Filmkritik von Peter Osteried

15 Regisseure erzählen 13 Geschichten nach Vorlagen von Edgar Allan Poe. Das Repertoire reicht dabei von den großen Klassikern, die jeder kennt, zu den obskureren Geschichten, die vor allem Liebhabern bekannt sind. Ein Manko bei der Umsetzung gab es zudem auch: Budget und Drehzeit waren begrenzt. Nur drei Tage blieben jedem Filmemacher, um seine Geschichte zu drehen. Damit einher geht ein gewisse Rohheit, die sich nicht nur in einfachem Make-up (Waldemar), sondern auch in fahriger Kameraarbeit widerspiegelt. Häufig setzen die Filmemacher darauf, direkt am Geschehen zu sein. Aus der Not einer Handkamera wird eine Tugend, versucht man doch, den Zuschauer damit in das Geschehen hineinzubugsieren.

Das Ergebnis ist durchwachsen. Nicht jede Geschichte überzeugt. Einerseits, weil das Skript mau geraten ist (Sphinx), andererseits, weil die Schauspieler der Herausforderung nicht immer gewachsen sind (Glasses). Angesichts der Masse an Geschichten sind jedoch Episoden dabei, die zu gefallen wissen, auch und gerade, weil immer wieder mit der Form gespielt wird. So ist The Black Cat eine Geschichte, die im Stil von Aardman Animations gestaltet ist. Während The Raven in Schwarzweiß gehalten ist und auch Split Screen einsetzt. Die Montage wird hier immer frenetischer, je näher man dem Höhepunkt des Gedichts kommt.

Edgar Allan Poe – Geschichten des Wahnsinns ist sicherlich nichts für jedermann, weil die Qualität der Geschichten differiert, es sind jedoch genügend Highlights dabei, um sich auf diese günstige, aber niemals billige, experimentelle, aber nie überzogene Adaption der großartigen Geschichten einzulassen. Ein Faible für die Mixtur aus Independent-Kino und Amateurfilm sollte aber schon vorhanden sein. Dann erlebt man Poe auf eine Art, wie sie filmisch gar nicht so häufig zu sehen ist.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/edgar-allan-poe-geschichten-des-wahnsinns