Die Flodder Trilogie

Alle drei Spielfilme um die "Familie zum Knutschen"

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Mittlerweile ist dieser Name regelrecht zu einem Synonym für Personen und Familien aus einem unterprivilegierten sozialen Milieu avanciert, die gemeinhin flapsig als "asozial" bezeichnet werden, was immerhin von einer gewissen Durchschlagskraft der Flodders über den fiktiven Raum hinaus zeugt. Nun erscheinen alle drei Spielfilme der Trilogie auf DVD und bieten die umfassende Gelegenheit, dem schrägen Klan bei seinem Einzug ins Nobelviertel Zonnedael, seinem Auslandsaufenthalt in den USA und seinem letztlichen Triumph über die pikierte Nachbarschaft zuzusehen.

Als alleinerziehende Mutter mit Sozialeinkünften, fünf umtriebigen Kindern und einem pflegebedürftigen Opa (Jan Willem Hees, später Herman Passchier) im Schlepptau hat es Gertraude "Ma" Flodder (Nelly Frijda) als passionierte Whisky-Trinkerin, Zigarren-Raucherin sowie Kittel- und Gummistiefel-Trägerin sicherlich nicht leicht, doch sie führt das Regiment in der Familie mit kalkulierter Nachlässigkeit, unterstützt vom idealistischen Sozialarbeiter Werner van Koten (Lou Landré), der es gegen den Widerstand des Stadtrats durchsetzt, dass die Flodders Einzug in die mondäne Siedlung "Sonnental" halten und dort ganz gehörig die angestammten, wohlhabenden Anwohner verschrecken.

Nach dem zweiten Teil, wo sie als Austauschfamilie in Manhattan ihr Unwesen treiben, sind die Flodders wieder in Holland anzutreffen, wo der älteste Sohn Johnnie (Huub Stapel, später Coen van Vrijberghe de Coningh) weiterhin seine krummen Touren fährt, die kesse Kees (Tatjana Šimić) nach wie vor mit ihrem Sexappeal besticht und Ma Flodder sich gar anschickt, einen vermeintlichen Landstreicher zu ehelichen, bis sich die Unruhen im Wohnparadies zu einem katastrophalen Finale auswachsen...

Die Idee, eine sichtbar schräge, mit einschlägigen Klischees ausgestattete Familie mit den deutlichen Merkmalen einer sozialen Randexistenz im gehobenen Milieu anzusiedeln und es dort kräftig krachen zu lassen, initiiert bereits die Tendenz zu einer klamaukhaften Komik, die innerhalb der Flodder Trilogie auch schonungslos zum Tragen kommt.

Ob und inwieweit es sich dabei um eine gesellschaftkritische Satire oder schlichtweg um eine derbe Komödie handelt, die ihre Protagonisten der Lächerlichkeit preisgibt, ist ebenso eine Frage der Perspektive, wie die Beurteilung des Gelingens dieser wüsten Witzigkeit schlichtweg Geschmackssache ist. Immerhin sind die Flodders auf lange Sicht stets die Gewinner der chaotischen Gefechte, fühlen sich offensichtlich wohl in ihren wirren Zusammenhängen und trotzen in frecher Schelmentradition den Widrigkeiten eines als ordentlich deklarierten Daseins. Betrachtet man die von rasanter Popularität begleitete Entwicklung von so genannten Dokumentar-Seifenopern im Fernsehprogramm nicht nur hierzulande – auch gern als Reality-TV bezeichnet –, so gehen die Flodders glatt als fiktive Avantgardisten eines signifikanten Trends durch, dessen Kreise munter durch die Alltagskultur toben.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-flodder-trilogie