Nacht der Vampire (Limited Edition)

Vampir gegen Werwolf

Eine Filmkritik von Martin Beck

Insgesamt zehnmal trat Paul Naschy als spanischer Edelmann Waldemar Daninsky auf, der sich bei Vollmond in einen stramm behaarten Werwolf verwandelt. Die Nacht der Vampire war Film Nummer drei und lebt von der faszinierenden Idee, dass der lykanthropisch veranlagte Herr hier Konkurrenz durch eine bleiche Vampirin bekommt – die von einer Studentin mittels einer abstrusen Kette tölpeliger Ereignisse zu neuem "Leben" erweckt wird. Im Folgenden stolpern also gleich zwei Universal-Monster durch die spanische Botanik und die Studentin plus ihre Freundin müssen um ihr Leben bangen. Sofern sie nicht gerade mit Waldemar knutschen oder an die Schnittstelle zwischen Sex und Gewalt chargieren.

Wer Die Nacht der Vampire etwas abgewinnen möchte, sollte ein ausgeprägtes Faible für Käuzchenschreie haben und sich inszenatorische Unzulänglichkeiten grundsätzlich mit der doppelglasigen Trashbrille schönsaufen. Diese Tag-für Nacht-Nummer zum Beispiel ist ganz schön dreist, der Werwolf ist einfach ein wild grunzender Mann in einem Fellkostüm und das Niveau der Dialoge bewegt sich auf dadaistischem Vorschulniveau. Goldilock-Studentin: "Es muss noch eine andere Frau hier im Haus sein. Denk doch nur ans Abendessen! Nur eine Frau deckt den Tisch auf diese Weise." Ihre nicht minder hohle Freundin: "Jaja, der Tisch war schön gedeckt, aber das Essen bestand nur aus kalten Platten und das kann schließlich jeder zubereiten. Sogar ein Mann."

Genau so ist es, zumindest in der windschiefen Genrewelt von Paul Naschy, die am laufenden Band solche Sätze raushaut, den richtigen Käuzchensound klar vor eine sinnvolle Handlung stellt und das ganze Gebräu mit einer bizarr gestelzten Atmosphäre überzieht. Die Schauspieler hier sind unisono grottenschlecht, wabernde Hui-Bu-Schocks ziehen unweigerlich pures Entsetzen nach sich und die possierlichen Bluteffekte würde man heutzutage im Baumarkt unter "neonrot" einsortieren. Da, ein Vampir, der bei hellichtem Tageslicht herumstolziert! Genau das darf man erwarten bei einem Film, der Die NACHT der Vampire heißt und sich ernst genug nimmt, den omnipräsenten Käuzchenterror noch mit ausgesuchten Keuch-, Hechel-, Huiiii- und Gong-Geräuschen anzureichern.

Das Schöne auf jeden Fall ist, dass Paul Naschy das alles genau so meint und somit die fast schon obligatorische Ironieebene völlig in ehrlichem Unvermögen versenkt. Kein Mensch wird hier große Kunst erkennen, aber in seiner eigenen stupiden Welt regt sich genug Trashduft für eine auf 1500 Stück limitierte Blu-Ray, die das rührige Label Subkultur unters sammelnde Filmbörsen-Volk wirft. Bild und Ton reißen natürlich keine Bäume aus, doch die hübsche Gestaltung plus ein paar interessante Extras dürften das Zielpublikum trotzdem überzeugen. Besondere Beachtung verdienen zwei Interviews (mit Gaby Fuchs und Paul Naschy) und ein herrlicher Szenenvergleich, der darauf basiert, dass zur damaligen Zeit entscheidende Momente oft zweimal gedreht wurden – einmal mit Klamotten am Leib und einmal ohne. Wer solche Extras und solche Filme veröffentlicht, verdient mindestens den Respekt, seine Titelauswahl in keiner Weise nach dem aktuellen Mainstream auszurichten.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/nacht-der-vampire-limited-edition