The Guest

Packende 80er-Hommage

Eine Filmkritik von Gregor Ries

Unvermittelt taucht David (Dan Stevens) im ländlichen Heim von Familie Stevenson auf, deren Sohn Caleb als Soldat im Afghanistan-Einsatz fiel. Der trauernden Mutter Laura (Sheila Kelley) berichtet David von den letzten Worten seines Kameraden, worauf sie dem höflichen Besucher für einige Tage Unterkunft gewährt. Von dieser Entscheidung zeigt sich Vater Spencer (Leland Oser) zunächst weniger erfreut, kommt aber mit dem Fremden bald besser zurecht als seine skeptische Tochter Anna (Maika Monroe). Dagegen freundet sich ihr jüngerer Bruder Luke (Brendan Meyer) rasch mit dem Neuankömmling an – besonders, als der schlagkräftige Ex-Soldat dem in der Schule gemobbten Außenseiter beweist, wie man sich gegen Aggressoren zur Wehr setzen kann.

Obwohl seine Methoden reichlich rabiat ausfallen, nimmt Dan Stevens als durchtrainierter Sonnyboy mit perfekten Manieren und emphatischem Verhalten zunächst ganz für sich ein. Man weiß zwar um seine Unfähigkeit, Schlaf zu finden und misstraut allmählich seinen Worten, doch bevor sich die Dinge weniger erfreulich entwickeln, erscheint der Waffennarr durchaus sympathisch. Dabei erinnert die Ausgangssituation an Pasolinis „Teorema –Geometrie der Liebe“, wo ein Unbekannter das Leben einer wohlhabenden Familie nachhaltig verändert und dies nicht unbedingt zum Positiven hin.

Stärker fokussieren Wingard und Barrett aber bald das Genrekino der Achtziger: Der treibende Elektrosound erinnert an John Carpenters Halloween-Serie, zumal die Story ohnehin rund um die Vorbereitungen auf das herbstliche Gruselfest angelegt wurde. Konkret spielt Wingard im Finale auf Halloween 3 – Die Nacht der Entscheidung an, während eine Konfrontation im Spiegelkabinett Reminiszenzen an Orson Welles Klassiker Die Lady von Shanghai weckt. Dazu erklingen reichlich Industrial- und Wave-Songs - von den Sisters of Mercy über Clan of Xymox bis hin zu zwei Songs von DAF, als deren Fan sich Wingard auf dem Audiokommentar outet.

Ein Bruch zu seinem restlichem Werk stellt lediglich die Besetzung dar, da er ganz auf seinen Freundeskreis aus schauspielenden Regisseuren wie Joe Swanberg verzichtet. Vielmehr baut er auf TV-Profis wie Sheila Kelley aus L.A. Law oder der hier eher unterforderten Leland Oser aus Emergency Room nebst vielversprechenden Newcomern. Wo You’re Next, auf den ebenfalls mehrfach angespielt wird, direkt in die Konfrontation mit dem Bösen innerhalb eines klaustrophobischen Settings ging, nimmt sich The Guest mehr Zeit, um kleine Irritationen einzuflechten und ein Gespür für die Weite des abgelegenen Schauplatzes zu entwickeln. Stärker denn auf organisch-temporeiche Actioneinlagen setzt Wingard auf den allmählichen Einbruch des Grauens. Trotz einiger Ungereimtheiten gegen Ende gelingt ihm dies mit einem stilisierten, zupackenden Thriller.

Die entfernten Szenen der DVD wirken für sich wenig bedeutsam, unterstreichen aber samt Audiokommentar den Entwicklungsprozess dieser Independentproduktion. Das hässliche deutsche Cover muss man eben in Kauf nehmen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/the-guest