Cinderellas unmoralische Abenteuer

Die Suche nach dem Schnapper

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Die wunderschöne Cinderella wird von ihrer Stiefmutter und ihren garstigen Stiefschwestern als billige Arbeitskraft missbraucht. Als die Königin ihren Sohn anhält, sich endlich eine Frau zu suchen, wird ein Ball ausgerichtet, zu dem alle Mädchen im heiratsfähigen Alter geladen sind. Cinderella darf jedoch nicht hingehen, bis eine Fee ihr erscheint und ihr Schicksal ändert …

Bei der Adaption hält man sich an die Eckpunkte der Geschichte, gestaltet diese aber deutlich frivoler. So sucht der Prinz am Ende nicht nur nach dem Mädchen, dem der Schuh passt – er sucht nach der Frau, die dem kleinen Prinzen beim augenverbundenen Liebesakt am besten passte ("Als sie mich gefangen nahm, war es wie in einem Schraubstock").

Die Geschichte als Softcore-Version schreibt sich praktisch von selbst, der Film wartet aber mit unerwartet schmissigen Songs auf, die jedoch deutlich in der Zeit ihrer Entstehung verankert sind. Damit nicht genug, macht Cinderellas unmoralische Abenteuer auch der Blaxploitation die Aufwartung. Sy Richardson agiert herrlich überzogen, den Film trägt jedoch die zu früh verstorbene Cheryl "Rainbeaux" Smith (1955-2002), deren größte Chance Walter Hills The Driver gewesen wäre, aber ihr Part fiel der Schere zum Opfer, was der Regisseur immer bedauerte. Ihre Karriere hob nie ab, sie wurde heroinabhängig und zog sich Hepatitis zu, woran sie letzten Endes auch starb. Die Rolle der Cinderella war ihr größter Erfolg.

Die DVD von Donaufilm präsentiert den Film erstmals ungeschnitten, seinerzeit entfernte Szenen wurden mit Untertiteln versehen. Das Bild ist durchwachsen, mehr dürfte bei diesem Titel aber auch nicht drin gewesen sein. Als Bonus gibt es noch den Trailer und die deutsche Kinofassung.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/cinderellas-unmoralische-abenteuer