Babij Jar - Das vergessene Verbrechen

Ein filmisches Trauerspiel

Eine Filmkritik von Peter Osteried

September 1944: Seit Jahrzehnten sind die jüdische Familie Lerner und die ukrainische Familie Onufrienko befreundet. Als die deutsche Besatzung die Deportation aller Juden aus Kiew vorbereitet, versuchen die Lerners in Richtung Osten zu fliehen. Doch Lena Onufrienko denunziert ihre Nachbarn aus egoistischen Motiven und bringt damit den eigenen Sohn in Gefahr, der die jüdische Familie begleitet.

So wichtig es ist, Geschichte auch dramaturgisch aufzuarbeiten, so bedauerlich ist es, wenn am Ende ein Werk wie Barbij Jar – Das vergessene Verbrechen herauskommt, das sich vor allem durch Melodramatik und einen Symbolismus auszeichnet, der plakativer nicht sein könnte. Ohne das Ende vorwegzunehmen, sei gesagt, dass die „Schurkin“ in diesem Stück der ausgleichenden Gerechtigkeit nicht entkommt. Als Zuschauer entkommt man der wenig ergiebigen Erzählweise leider auch nicht. Wo der reale Hintergrund schockierend ist, ist der fiktive Teil mit den beiden Familien schon fast albern. Das mag aber auch an den ungemein gestelzten Dialogen liegen, die wohl den Anschein erwecken sollen, dass so die Großeltern gesprochen haben. Die Wirkung ist aber kontraproduktiv, mitunter fühlt man sich wie im Schmierentheater.

Barbij Jar – Das vergessene Verbrechen ist ein ehrenwerter Versuch, einen dunklen Teil der Historie ans Licht zu zerren, die Unbeholfenheit von Drehbuch und Regie erweisen dem Anliegen jedoch einen Bärendienst.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/babij-jar-das-vergessene-verbrechen