Unzertrennlich - Inseparable

"A Beautiful Mind" meets "Super"

Eine Filmkritik von Peter Osteried

Li (Daniel Wu) möchte sich umbringen, als sein Nachbar Chuck (herrlich: Kevin Spacey) an die Tür klopft. Er kann den jungen Mann davor bewahren, einen Fehler zu machen. Als Chuck von Li erfährt, dass seine Firma an die Börse geht und er vor einer Versammlung lügen soll, da ein wichtiges Produkt noch nicht die Marktreife hat, ermutigt er ihn zum Widerstand. Li treibt das soweit, dass er sich ein Superheldenkostüm schneidert, um für die Gerechtigkeit zu kämpfen. Er fängt mit einer Firma an, deren gefälschte Produkte bei seiner Frau Pang eine Fehlgeburt ausgelöst haben …

Auch wenn das Cover etwas anderes suggeriert, die Superheldenthematik streift Unzertrennlich nur am Rande. Vielmehr versteht sich der Film als lupenreines Drama, dessen ganzes Ausmaß man erst im Verlauf der Erzählung wirklich zu greifen bekommt. Allerdings: Es gelingt schneller, als es der Geschichte wohl lieb wäre. Denn nach dem ersten gamechanger im Film ist man der Hauptfigur eine Nasenlänge voraus und weiß, was ihn noch erwartet. Im Grunde sollte auch Li es wissen, wohlwollend könnte man argumentieren, dass er es nicht wahrhaben will. Allerdings ist auch durchaus die Lesart erlaubt, dass das Skript hier nicht in der Lage ist, die Überraschung bis zum Ende auszureizen. Dennoch: Den Film in Hinblick darauf zu sehen, welche veränderte Wahrnehmung sich durch diesen Twist ergibt, hat einen eigenen Reiz.

In seiner Beschäftigung mit den Zuständen in der chinesischen Wirtschaft, der Aufbruchstimmung auf der einen, den Skandalen auf der anderen Seite, besitzt der Film eine unaufdringlich eingewobene Subebene, die auch außerhalb seines Entstehungslandes funktioniert. Überzeugend ist der Film jedoch dann am meisten, wenn er sich in die Psyche seines Protagonisten vergräbt und Einblick in eine geplagte Seele offenbart, die von einem schweren Trauma versehrt wurde. In seinen besten Momenten präsentiert sich Unzertrennlich als wahrhaftiges Drama mit sehr menschlicher Komponente. Demgegenüber stehen leichtherzige oder schlichtweg abstruse Momente, wie jener mit der Konfrontation mit dem Firmenboss, der von Peter Stormare dargestellt wird.

Zum Schluss gönnt Autor und Regisseur Dayyan Eng seinen Hauptfiguren ein Happyend. Dessen sollte man sich im Vorfeld bewusst sein, denn in seiner Geschichtsführung wäre etwas anderes konsequent gewesen. Aber man versteht, dass Dayyan Eng davor zurückschreckte, mit einer düsteren Note zu enden. Nicht nur, weil sich das wohl auch auf das Kinoeinspiel in China ausgewirkt hätte, sondern auch, weil man als Zuschauer echte Sympathie für den gebeutelten Li empfindet.

Unzertrennlich ist zwar nur die Mixtur bekannter Story-Elemente, kann aber trotz kleinerer Erzähl-Unebenheiten das Interesse des Zuschauers über die volle Distanz halten. Als Film ist er gut genug, dass man die irreführende Cover-Gestaltung nachsieht.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/unzertrennlich-inseparable