Der Graf von Monte Christo

Gérard Depardieu als Edmond Dantès

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Die Geschichte ist bekannt: Der in jugendlicher Blüte unschuldig verurteilte Edmond Dantès (Gérard Depardieu, als junger Mann von seinem Sohn Guillaume Depardieu gespielt), der 18 Jahre lang ein finster-verzweifeltes Leben im Kerker auf einer Gefängnisinsel fristen musste, von seiner schönen Verlobten Mercédès (Ornella Muti, als junge Frau von ihrer Tochter Naike Rivelli gespielt) entrissen, bis er als mächtiger, reicher und mysteriöser Graf von Monte Christo unerkannt auftaucht und nun seinerseits Intrigen inszeniert, um seine einstigen Widersacher zu Fall zu bringen. Sie besticht vor allem durch das engagierte Schauspiel der auf ganzer Linie überzeugenden Darsteller, denen es gelingt, ein dichtes Universum markanter Figuren zu erschaffen, deren Charaktere innerhalb der großzügig angelegten Dramaturgie ausreichend Raum erhalten, um sich wirksam zu entfalten.

Betrachtet man die opulente Länge des Vierteilers - 394 Minuten - so ist es doch erstaunlich, dass dem Beginn der Geschichte – vor allem auch dem Gefängnisaufenthalt – eine beinahe zusammenfassend erscheinende Flüchtigkeit anhaftet, die sich allerdings im Verlauf der weiteren Handlung rasch verzieht. Es ist bedauerlich, dass der bedeutsamen Bekanntschaft Edmond Dantès’ mit seinem betagten Mithäftling Abbé Faria, der ihm ein väterlicher Freund wird und das Geheimnis des sagenhaften Schatzes von Monte Christo vererbt, derart wenig Darstellung erfährt. Ebenso bleibt die vertrauensvolle Beziehung zu seinem Lebensretter und späterem ergebenen Assistenten Bertuccio, der enorm einfühlsam von Sergio Rubini verkörpert wird, sowie dessen Schicksal insgesamt allzu blass. Es ist das komplizierte Geflecht der Rache, das hier deutlich im Fokus steht.

Nach anfänglichen Schwächen wächst sich Der Graf von Monte Christo also zu einem packenden Drama in epischer Breite aus, dessen fesselnde Intensität alle Längen der Geschichte kurzweilig umschifft und die vielschichtigen Aspekte des Rache-Motivs ansprechend zur Geltung bringt. Nach der umfangreichen, letztlich kathartischen Mission des gereiften Edmond Dantès, der von dem Gedanken besessen war, seine ganz persönliche Gerechtigkeit herzustellen, gönnt der Drehbuchautor Didier Decoin ihm und seinem Publikum ein glückliches Ende, das zwar in dieser Form von Alexandre Dumas nicht vorgesehen war, aber in die wohltuende Botschaft mündet, dass auch die Zeiten der Rache gezählt sind und sein müssen, damit doch noch Raum für ein befreites, wahrhaft gutes Leben bleibt.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-graf-von-monte-christo