Auch Henker sterben

Brechts meets Lang meets Hollywood

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Unter den deutschen Emigranten war der zum damaligen Zeitpunkt bereits etablierte Fritz Lang zweifelsohne einer der aktivsten im cineastischen Kampf gegen das Dritte Reich. Von seinen drei "Anti-Nazi-Filmen" (so bezeichnete der Filmhistoriker Jan-Christopher Horak das Subgenre) ist Auch Henker sterben / Hangmen Also Die! der mit Abstand Beste. Zudem hat sich der Film auch dadurch einen besonderen Platz in der Filmgeschichtsschreibung verdient, weil der berühmte Dramatiker Bertolt Brecht hier am Drehbuch mitgearbeitet hat – es sollte übrigens seine einzige Zusammenarbeit mit Hollywood bleiben.

Auch Henker sterben basiert – und das unterscheidet ihn von vielen anderen Anti-Nazi-Filmen – auf realen Ereignissen und zwar auf dem erfolgreichen Attentat tschechischer Widerstandskämpfer auf den Reichsprotektor Böhmen und Mähren Reinhard Heydrich am 27. Mai 1942. Da die beiden Attentäter zunächst nicht gefasst werden konnten, statuierten die Nazis ein Exempel und ließen alle männlichen Bewohner des Dorfes Lidice, in dem die Attentäter vermutet wurden, exekutieren. Bei Langs Version der Geschichte verhält es sich zwar ähnlich, hier aber gelingt es dem tschechischen Widerstand durch geschickte Manipulationen von Beweismitteln, dass schließlich ausgerechnet der Kollaborateur Emil Czaka (Gene Lockhart) als Täter den Nazis ausgeliefert wird. Die Geiseln aber, die die Besatzer nahmen, um des Täters habhaft zu werden, werden dennoch nicht freigelassen, denn die Nazis wissen genau, dass Czaka nicht der wahre Täter ist.

Trotz grober Vereinfachungen und teilweise recht schematischer Figurenzeichnungen, die den bekannten Mustern propagandistischer Filme folgen, ist Auch Henker sterben ein überaus spannender Film, der sich zudem eingehend mit moralischen Fragestellungen wie der Berechtigung eines Tyrannenmordes und der Inkaufnahme unschuldiger Opfer auseinandersetzt.

Ergänzt wird die nun vorliegende Neuedition des Films durch ein Booklet, das zahlreiche zeitgenössische Quellen für den interessierten Zuschauer bereit hält, u.a. Rezensionen, Auszüge aus Brechts Arbeitsjournal sowie jene Abschnitte aus Brechts FBI-Akte, die seine Mitarbeit an diesem Film betreffen. Zudem versammelt das Beiheft noch einige weitere Quellen, die diese Edition als ideales Anschauungsmaterial für eine vertiefende filmhistorische Betrachtung des Films und anderer Werke aus dem Subgenre des Anti-Nazi-Films erscheinen lassen. Dank Langs Händchen für Spannung kommt aber auch der "ganz normale" Zuschauer bei diesem Film zu seinem Vergnügen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/auch-henker-sterben