Kurt Cobain: About a Son

Eine Filmkritik von Renatus Töpke

Doch Sänger und Gitarrist Kurt findet das gar nicht so großartig, wie man meinen möchte. Plötzlich wird ein sensibler junger Mann zur Gallionsfigur einer Generation, die genug hat von auf Hochglanz poliertem Mainstream. Mainstreamrock wie Mötley Crüe, Poison und Gleichgesinnte sind plötzlich Schnee von gestern. Es zählt die neue 'Siffigkeit'. Underground is the new mainstream. Und Kurt fällt... Heroin fängt ihn auf, wird sein neuer bester Freund, hilft sein Magengeschwür zu vergessen und den Druck zu ertragen. Nach dem dritten Studioalbum "In Utero" geht es rapide bergab für den Sänger. Trotz Ehe, trotz Tochter und trotz des anhaltenden Erfolgs gibt sich Kurt Cobain am 8. April 1994 buchstäblich die Kugel.

Jetzt redet Kurt selbst. About a Son ist eine Art bebildertes Interview. Während Interviewbänder abgespielt werden, die Journalist Michael Azerrad zwischen 1992 und 1993 mit Kurt führte, besucht die Kamera dessen Heimatstadt Aberdeen. Regisseur AJ Schnack verwebt Bilder und Gespräche zu einer dichten, doch manchmal langatmigen Collage aus Einblicken in das Seelenleben eines Rockstars, ja beinahe des Messias' einer Generation. Immer wieder glaubt man auch, ein liebevolles Portrait von Aberdeen zu sehen. Der tolle Soundtrack aus Bad Brains, David Bowie und Mudhoney unterstreicht dann auch den ernstgemeinten Ansatz des Gezeigten. Für Fans ist das Ganze natürlich Pflicht. Obwohl ihnen auch auffallen wird, dass Bassist Krist Novoselićs Name in den Untertiteln mit "Chris" falsch geschrieben ist.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/kurt-cobain-about-a-son