Die innere Sicherheit

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Inspiriert durch Songtexte des in Bad Kleinen erschossenen RAF-Terroristen Wolfgang Grams, in denen er seine Versuche beschrieb, im Untergrund ein normales Leben zu führen, verfassten Christian Petzold und sein Co-Autor Harun Farocki ein Drehbuch, das mit kühl-distanziertem Blick, aber voller Einfühlungsvermögen die Tragödie einer Familie auf der Flucht beleuchtete: "Nachrichten aus dem Untergrund, die davon erzählten, dass da irgendwelche Gespenster an ihrer Menschwerdung arbeiteten. Die hier in der Geschichte zeugten ein Kind. Sie werden Familie. Begehren das Normale. Wenn Gespenster Menschen werden möchten, dann sind sie immer Protagonisten einer Tragödie", so äußerte sich Petzold zu seinen Intentionen. Das Schattenhafte der Existenz, die Brüchigkeit des Realen und die Gespenster der Vergangenheit, sie sind so etwas wie der rote Faden, der durch das Werk von Petzold führt – sei es in Wolfsburg, in Gespenster oder in Yella. Von allen Regisseuren der so genannten Berliner Schule ist er mit Sicherheit der enigmatischste und metaphysischste und seine Filme, das zeigt auch Die innere Sicherheit, sind bei aller Kälte hoch emotionale und sehr komplexe Dramen, die zu genauer Beobachtung einladen und die zu langem Nachdenken verführen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/die-innere-sicherheit