Marco Ferreri Edition

Provokative Parabeln, surrealistische Satiren

Eine Filmkritik von Stefan Otto

In Dillinger ist tot kommt Glauco (Michel Piccoli) von der Arbeit nach Hause. Er bereitet sich ein Essen zu, findet einen Revolver und erschießt seine Frau (Anita Pallenberg). Ein ruhiger, wortarmer Film, der heute in manchen Szenen wie eine Vorwegnahme von Taxi Driver wirkt.

Berühre nicht die weiße Frau ist eine überdrehte Politikfarce aus derselben Zeit wie Das große Fressen. Drehort von Ferreris Re-Inszenierung der historischen Schlacht am Little Big Horn war eine Pariser Baugrube und das ist dem Ergebnis auch deutlich anzusehen.
Affentraum ist ein zivilisationskritisches Endzeitdrama, in dem New York von Ratten verseucht ist. Gérard (Gérard Depardieu) schlägt sich mit Gelegenheitsjobs durch, als sein depressiver Bekannter Luigi (Marcello Mastroianni) ihm ein Affenbaby anvertraut, das er neben King Kongs Leiche gefunden hat.

In Bukowski - Ganz normal verrückt nach Charles Bukowskis autobiografischem Roman Kaputt in Hollywood begegnet der selbstzerstörerische Schriftsteller Charles Serking (Ben Gazzara) am Tresen der Hure Cass (Ornella Muti), die zu seiner Muse wird.

In Mein Asyl verliebt sich der Bologneser Vorschullehrer Roberto (Roberto Benigni) in Isabella (Dominique Laffin), die Mutter eines seiner Schützlinge. Als sie schwanger wird, stellt sie ihn vor die Entscheidung, entweder ihr und dem gemeinsamen Baby nach Sardinien zu folgen oder bei seinen Kindergartenkindern zu bleiben. Kurz entschlossen nimmt Roberto zehn Kinder und folgt ihr nach.

"I love you" wispert der Schlüsselanhänger im gleichnamigen Film, sobald Michel (Christopher Lambert) pfeift. Michel ist fasziniert von dem allzeit verfügbaren Objekt mit dem weiblichen Puppengesicht. Ferreri seziert Männlichkeit und erweist am Ende Dillinger ist tot Referenz.

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