Karriere Girls

Ein Wiedersehen mit der Vergangenheit

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Seit jeher ist Mike Leigh ein überaus genauer und treffsicherer Beobachter der britischen Gesellschaft und vor allem derer, die sich am unteren Rand der sozialen Leiter befinden. In Karriere Girls / Career Girls zeigt er zwar zwei junge Frau, die den Aufstieg geschafft haben, zugleich aber verdeutlicht er, wie dünn das Eis und wie schmal der Grat ist, auf dem sie sich bewegen: Wenn die beiden in einer bewegenden Begegnung einen Ex-Kommilitonen treffen, dann spürt man deutlich, dass sie einfach nur Glück gehabt haben und nicht wie er auf der Straße gelandet sind. Trotz aller kritischen Distanz zu seinen beiden bourgeoisen Heldinnen, die immer wieder zwischen der unbeschwerten Fröhlichkeit der Studentenzeit und dem Statusgehabe als Karrierefrauen oszillieren, lässt Leigh diesen beiden Frauen alle Widersprüchlichkeiten, ohne sie zu verurteilen.

Vielleicht ist Karriere Girls / Career Girls nicht der beste Film des britischen Regisseurs und auf keinen Fall so brachial wie das Meisterwerk Nackt / Naked oder der ebenfalls imposante Lügen und Geheimnisse / Secrets & Lies, sondern eher ein Werk der leisen Zwischentöne. Auf jeden Fall aber ist es immer wieder ein Vergnügen, sich die Filme Mike Leighs anzuschauen, aus denen man so unendlich viel über das Leben lernen kann.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/karriere-girls