Investigating Sex

Alle reden nur über das Eine

Eine Filmkritik von Jean Lüdeke

Um 1920 in Cambridge, England: Ex-Professor Edgar (Dermot Mulroney) hat einige Freunde und Kollegen um sich versammelt, um mit ihnen gemeinsam ein wissenschaftliches Experiment durchzuführen. Ohne über das Thema Witze zu machen, oder sich dabei tatsächlich erregen zu lassen, sollen in diesem Kreis Diskussionen über den vermuteten Zusammenhang von Sex und Liebe geführt werden. Dabei kommt der kecken Zoe (Robin Tunney) und der introvertierten Alice (Neve Campbell) die Aufgabe zu, die teilweise extrem anzüglichen Gespräche zu stenographieren. Da es Edgar selbst nicht gelingt, einen roten Faden in das Experiment zu bringen, bewegen sich die Teilnehmer in die unterschiedlichsten Richtungen: Während der egozentrische Börsenmakler Faldo (Nick Nolte) von seinem ersten Mal mit einer Eselin schwärmt, versucht der voyeuristisch veranlagte Maler Sevy (Alan Cumming), seine Frau Janet (Emily Bruni) mit dem deutschen Schriftsteller Monty (Til Schweiger) zu verkuppeln und Erotikregisseur Oscar (Jeremy Davies) beginnt eine Affäre mit der hübschen Zoe. Während das Experiment selbst immer mehr in Vergessenheit gerät, nutzen die Intellektuellen den Deckmantel der wissenschaftlichen Arbeit aus, um ihre sexuellen Phantasien offen auszusprechen oder sogar tatsächlich auszuleben…

Rudolph bewies sein Faible für intellektuelle Konversationen vor jüngerem historischen Hintergrund bereits mit The Moderns und Mrs. Parker und ihr lasterhafter Kreis, bevor er nun Freigeister über Sex fabulieren lässt in diesem von André Bretons Protokoll Recherches sur la sexualité archives du surrealism inspirierten, heiteren Ensembledrama. Schauspielprominenz von Nick Nolte über Scream-Queen Neve Campbell bis zu Germany’s Til Schweiger sollte auch weniger literatur-affine Betrachter ansprechen.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/investigating-sex