Der kleine Fuchs und seine Freunde - Das große Kinoabenteuer (2017)

Der kleine Fuchs und seine Freunde

Eine Filmkritik von Rochus Wolff

Aber so kann’s nicht eingehen, findet der noch gefräßigere Wolf, und schlägt ihm einen Plan vor. Wenn niemand vor dem Fuchs Angst hat, dann muss er sich halt die Schwächsten vom Bauernhof mitnehmen und sie das Fürchten lehren: frisch gelegte Eier. Gesagt, getan: In der nächsten Nacht stiehlt der Fuchs die drei Eier unterm Hintern der Henne weg. Dummerweise identifizieren die drei Küken direkt nach dem Schlüpfen den Fuchs als ihre Mama – und lassen sich auch nicht mehr vom Gegenteil überzeugen. Als er ihnen eine wirklich furchtbare Geschichte vom großen, bösen Fuchs erzählt, kriechen sie nur noch dichter an ihre Mama heran.

Le Grand Méchant Renard heißt diese Geschichte im Original und der Titel ist natürlich ironisch gemeint: Ein weicheres Herz als dieser Fuchs kann man kaum haben, aber was will man auch machen, wenn man von drei niedlichen Küken adoptiert wird? Das Lehrstück über den freiwillig-unfreiwilligen Adoptivvater ist ein Teil von Der kleine Fuchs und seine Freunde, einem beglückend komischen Animationsfilm aus Frankreich, dessen drei Episoden jeweils als eigenständige Stücke in einer von Tieren präsentierten Theateraufführung gezeigt werden.

Im ersten Stück verletzt sich ein (Klapper-)Storch beim Überfliegen des Bauernhofs und überantwortet das auszuliefernde Baby an Gans und Hase, die jedoch nicht nur tollpatschig, sondern auch grandios verantwortungslos sind, weshalb sich das sehr vernünftige Hausschwein mit auf den Weg macht; unterwegs gibt es wilde Verfolgungsjagden, Besuche im Postamt und einen Fallschirmsprung aus einem Flugzeug. Den Abschluss bildet wieder dieses Trio beim Versuch, das Weihnachtsfest zu retten – auch das eine wilde Slapstickkatastrophe voller sehr, sehr lustiger Momente.

Die Regisseure Patrick Imbert und Benjamin Rennert haben schon einmal bei Ernest & Célestine zusammengearbeitet, diesem beglückenden Meisterwerk des französischen Animationskinos; die ästhetische Ähnlichkeit zu dem Film ist nicht zu übersehen, auch wenn Der kleine Fuchs sich klar auf die Seite sehr gekonnter, leichter und slapstickartiger Unterhaltung stellt. Rennert hat selbst die Kinderbücher geschrieben und gezeichnet, auf denen zwei der drei Geschichten basieren (Der große böse Fuchs gibt es mittlerweile auch auf Deutsch).

Sehr deutlich hat der Film auch ein jüngeres Publikum ab 5 Jahren im Blick: Die einzelnen Geschichten (die sich auch problemlos getrennt sehen lassen) haben eine Länge, die die Aufmerksamkeitsspanne kleiner Kinder nicht überfordert, der Humor ist eingängig, ohne je flach und billig zu werden, es gibt hier – sieht man vom in der Tat sehr unangenehmen Wolf ab – eigentlich keine Bösewichter. Und ganz nebenbei lassen Imbert und Rennert auch durchblicken, auf welche Traditionen sie sich in ihrer sehr europäischen Kunst beziehen möchten: Als es ans Dekorieren zum Weihnachtsfest geht, holt der Hofhund aus einer Kiste eine Christbaumkugel hervor, die dem titelgebenden Waldgeist aus Hayao Miyazakis Mein Nachbar Totoro doch sehr, sehr ähnlich sieht.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-kleine-fuchs-und-seine-freunde-das-grosse-kinoabenteuer-2017