Der neunte Tag

Vorbild Humanismus

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Basierend auf dem autobiographischen Bericht von Abbé Jean Bernard in "Pfarrerblock 25487" ist Schlöndorff ein tiefgründiges Drama gelungen, das hoch emotional und aufgrund seiner übergreifenden Frage, auf wen oder was man in schwierigen Zeiten sinnvollerweise hören sollte, durchaus als aktuell, zumindest aber zeitlos zu bezeichnen ist. Ein Film, der es dem Kinobesucher natürlich auch nicht gerade leicht macht - zu traumatisch wirken einzelne Szenen, zu bedrückend erscheint die Farbgebung. Eine Tragödie, die an vielen Stellen schwere Kost darstellt, auf der anderen Seite aber auch von einer berstenden Kraft beseelt ist. Denn noch selten wurden Zivilcourage, Humanismus und existenzialistische Fragen des Glaubens so überzeugend geschichtlich aufgearbeitet und filmisch dargestellt. Besonders die großartigen darstellerischen Leistungen von Ulrich Matthes und August Diehl tragen hier maßgeblich zum Gelingen des eigenen Anspruchs bei; sehr sorgfältig arbeitete man auch an den Details, verband szenische Askese klug mit authentischer Atmosphäre. Ein intelligenter, in seiner moralischen Tiefe wegweisender Film, der ein breites bürgerliches Publikum ansprechen dürfte und auch die Kirche selbst nicht unbeeindruckt lassen wird.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-neunte-tag