Wenn Träume fliegen lernen - Finding Neverland

Peter Pan forever!

Als das neuste Theaterstück des renommierten schottischen Autors J.M. Barrie (Johnny Depp) bei der Aufführung in London glatt durchfällt, scheint der erfolgsverwöhnte Schriftsteller am vorläufigen Ende seiner Laufbahn angekommen zu sein. Entgegen Thomas Alva Edisons Diktum "Genie ist ein Prozent Inspiration und neunundneunzig Prozent Transpiration" vermisst er vor allem erstere, als er in einem Park auf die soeben verwitwete Sylvia Llewelyn-Davies (Kate Winslet) und ihre vier Söhne trifft. Schnell freundet er sich mit den Kindern an und findet in ihnen einen Antrieb, in bislang nicht gekannte Regionen der Imagination vorzustoßen. Ein Aufbruch zu neuen Ufern, den aber die Oma der Jungs (Julie Christie), Barries Frau (Radha Mitchell) und sein Produzent Charles Frohman (Dustin Hoffman) äußerst misstrauisch betrachten. Doch der Autor und seine vier jungen Freunde befinden sich längst in ihrer Fantasiewelt „Neverland“, bis sie schließlich die Realität in Form eines Schicksalsschlages einholt.

Was sich als Einsicht in das Leben des Autors J.M. Barrie und somit als eine Art filmische Biographie geriert, trägt bei genauerer Betrachtung selbst deutliche Züge eines Märchens: Vier vaterlose Brüder und ein erwachsener Freund, eine restriktive Großmutter und eine lieblose und oberflächliche Ehefrau, das sind selbst alles mehr oder minder verbrämte Gestalten aus dem Fundus der Mythen und Legenden, die kaum etwas hinterfragen, sondern aus dem Leben selbst ein Märchen machen. Das ist wunderschön anzuschauen, aber bisweilen auch sehr an der Grenze zum Kitsch und zum puren Eskapismus – frei nach dem Motto: "Wenn du mit dem Leben und deiner Umwelt nicht klar kommst, reise einfach in die Phantasie." Zweifelsohne liefern Johnny Depp und die vier Jungs eine prachtvolle schauspielerische Vorstellung ab und werden deshalb möglicherweise bei den Academy Awards mit (mindestens) einem Preis bedacht werden, doch der Rest des Ensembles bleibt trotz großer Namen erschreckend blass und holzschnittartig. Wie in Kindergschichten eben dominieren eindimensionale Charaktere, die für die realitätsnahe Zeichnung ihrer Figuren nicht taugen. Als Märchen aber geht das in Ordnung...

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/wenn-traeume-fliegen-lernen-finding-neverland