Stadt als Beute

Ja ja, Berlin...

Lizzy, Marlon und Ohboy gehören zu einem Schauspielerensemble, das gerade im Probenraum einer Hinterhofbühne ein Stück einstudiert. Noch sind es zwei Wochen bis zur Premiere, doch dann läuft überhaupt nichts mehr. Das Ensemble und sein Regisseur René Pollesch (im realen Leben einer der gefeiertsten Jungen Wilden der Theaterszene) stecken mit ihrem (real existierenden) Stück Stadt als Beute mitten in der Krise. Da ist zum einen Marlon (Richard Kropf), der neu in der Stadt ist, und der keine Ahnung hat, was René eigentlich von ihm will. Kaum in der angekommen, steht er schon wieder kurz vor dem Rausschmiss. Auch privat läuft es für Marlon nicht gerade bestens, denn seine Mitbewohnerin vertraut ihm kurzerhand ihren 8-jährigen Sohn an, doch der Bengel haut bei der ersten Gelegenheit ab, was nahezu alle kalt lässt – außer Marlon.
Lizzy (Inga Busch) gerät nach den Proben in ein billiges Striplokal, wo sie auf die Tänzerin Babe (Julia Hummer) und den Geschäftsführer Julian (Stipe Erceg aus Die fetten Jahre sind vorbei) trifft. Die beiden gewähren der Schauspielerin einen Blick hinter die Kulissen des Porno-Biz und füllen sie danach kräftig ab. OhBoy (David Scheller) hingegen ist kein wirklicher Schauspieler, und genau das macht ihm schwer zu schaffen. Er träumt von einer Karriere als Karaoke-Star und lebt von der Sozialhilfe. Und OhBoy hat Angst, bei dem Theaterstück zu versagen und lässt sich ohne Ziel durch die Straßen treiben, wo er einer Menge merkwürdiger Leute begegnet.

Stadt als Beute ist Doku-Fiction, realistisches Großstadt-Drama und Theater-Satire in einem. Bisschen viel, so möchte man meinen, doch die Entscheidung, drei Regisseurinnen (Irene von Alberti, Miriam Dehne und Esther Gronenborn) die Verantwortung für jeweils eine Episode zu überantworten, gibt dem Film einen wohltuende Vielschichtigkeit, die in ihren Einzelepisoden über manches blöde Berlin-Klischee hinweghilft und den Film auch für „Provinzler“ sehenswert macht. Zumindest teilweise, denn so sehr die Einzelteile auch zu überzeugen wissen, als Gesamtkonzept fällt der Film durch. Insbesondere die Rahmenhandlung der Theaterproben fällt aus dem Rahmen und bestätigt alle Vorurteile von der Selbstbesoffenheit und nervtötenden Intensität, die insbesondere ambitionierte Jungschauspieler bisweilen auszeichnet. Ambitioniertes Kopf-Kino, dem man allerdings ein wenig mehr Zugänglichkeit wünschen würde.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/stadt-als-beute