Blow Up

Der Klassiker von Antonioni

Was auf den ersten Blick wie klassischer Thriller-Plot klingt – man denke etwa an Brian de Palmas sogar beinahe gleichlautenden Film Blow out (Der Tod löscht alle Spuren, 1981, mit John Travolta als Toningenieur, der zufällig einen Mord mitschneidet) – verlässt schnell die Ebene des Suspense. Michaelangelos Film nach einer Geschichte von Julio Cortazar wird immer mehr zu einem Spiel mit den Begriffen der Realität und der Einbildung, das den abgezockten und zynischen Fotografen zunehmend verwirrt hinterlässt. Als zum Schluss des Films eine Truppe von Schauspielern und Pantomimen ein ausgelassenes Tennismatch inszeniert und der „Spielball“ über den Zaun fliegt, wird Thomas das Spiel mitspielen und den imaginären Ball zurückwerfen. Und wenn er dann all dem den Rücken kehrt, wird er plötzlich den Ball auch hören. Denn auch die Realität und die Welt ist nur ein Spiel, oder, frei nach Schopenhauer, „Wille und Vorstellung“.

Doch es sind nicht allein die philosophischen Fragestellungen, die diesen Film zu einem der herausragenden Werke der sechziger Jahre machen, es ist vor allem auch die Atmosphäre Londons, das zu dieser Zeit zweifelsohne der Nabel der Popwelt war. Neben Verweisen auf die heute recht bizarr anmutende Mode, die Thomas fotografiert, ist es vor allem ein hoch energetischer, Gitarren zertrümmernder Auftritt der Yardbirds mit dem jungen Jeff Beck an der Gitarre, der die Beatles und die Stones wie brave Chorknaben aussehen lässt – Punk avant la lettre. Ein Meisterwerk, das 1966 die Goldene Palme bei den Filmfestspielen von Cannes erhielt.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/blow-up