Herr der Diebe

Millionen Leser können nicht irren

Längst ist die deutsche Autorin Cornelia Funke dabei, so etwas wie die deutsche Joanne K. Rowling zu werden. Ihre Kinderbücher, unter ihnen die Erfolgstitel Tintenherz und Tintenblut, führen die Bestsellerlisten an. Insgesamt haben sich ihre Titel rund 4 Millionen Mal verkauft. Auch international sind die Bücher ein Erfolg, in den USA gingen beispielsweise mehr als eine Million Exemplare ihres Romans Herr der Diebe über den Ladentisch. Kein Wunder also, dass diverse Filmproduktionen auf die Schmöker aufmerksam wurden. Mit der deutschen Verfilmung von Herr der Diebe kommt nun die erste filmische Adaption eines Buchs von Cornelia Funke in die Kinos. Und wie zu hören ist, wird Tintenherz bald folgen – möglicherweise als würdiger Nachfolger des Kassenmagneten Harry Potter. Dass sich da Großes anbahnt, wird allein schon dadurch klar, dass kein Geringerer als Mark Ordersky – Produzent von Herr der Ringe – die Filmrechte erworben hat. Doch die erste Bewährungsprobe im Kino steht nun zuerst einmal Herr der Diebe bevor, der das Kinojahr 2006 vielversprechend beginnen lassen soll.
Als die beiden Waisenkinder Bo und Prosper (Jasper Harris und Aaron Johnson) erfahren, dass die Pflegeeltern Tante Esther und Onkel Max Hartlieb (Carole Boyd und Bob Goody) nur den jüngeren Bo adoptieren wollen, während der größere der beiden zurück ins Heim sollen, beschließen die Brüder, Reißaus zu nehmen. Ihr Ziel ist Venedig, denn ihre Mutter hat die Stadt über alles geliebt. Dort finden sie Unterschlupf bei einer jugendlichen Diebesbande, deren Anführer der 15-jährige Scipio (Rollo Weeks) ist und der von allen nur „Der Herr der Diebe“ genannt wird. Klar, dass der Herr der Diebe vor allem die Reichen bestiehlt, um für sich und die Seinen zu sorgen. Doch das unbeschwerte und abenteuerliche Leben ist bald vorbei, denn die Pflegeeltern haben den beiden Brüdern einen Privatdetektiv hinterher geschickt, der sich allerdings als guter Mensch erweist. Und als die Bande schließlich den Auftrag erhält, die geheimnisvolle und magische Schwinge eines geflügelten Löwen zu stehlen, geraten die Kinder in eine Affäre, die ihr Vorstellungsvermögen beinahe übersteigt...

Venedig war schon immer ein ganz besonderer Ort, voller geheimnisvoller Schatten, verborgener Geheimnisse und einer merkwürdigen Magie. Das macht auch den Reiz von Herr der Diebe aus. Mit großer Liebe zum Detail und exquisiten jungen Schauspielern ist dem Regisseur Richard Claus ein unterhaltsames Kinoabenteuer für Groß und Klein gelungen, dass dem äußerst komplexen Buch zwar nicht in allen Facetten gerecht wird, doch auf angenehme Weise fesselt. Ein Tipp nicht nur für kleine, sondern auch für große Zuschauer, zumal manche Szenen doch recht düster und damit besonders für die kleinsten Zuschauer sehr spannend gestaltet sind. Nicht nur auf Grund des Schauplatzes und der Besetzung – u.a. mit Vanessa Redgrave – ein deutsches Abenteuer von internationalem Format.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/herr-der-diebe