Malen oder Lieben

Delikates aus Frankreich

Eine Filmkritik von Michael Spiegel

Die nochmalige Möglichkeit einer Veränderung, ein neuer Start in ein neues Leben scheint im Umzug auf das Land zu liegen (Eine Schwalbe macht den Sommer lässt schön grüßen), im Kauf und in der Modernisierung eines alten, leerstehenden Bauerhauses in der Provence, welches Madeleine zuvor wie zufällig beim Malen entdeckt hat. Mit der neuen Umgebung verbunden ist auch das Kennenlernen von neuen Freunden, den blinden Bürgermeister Adam und seiner schönen und jungen Frau Eva. Der Beginn einer durchaus sinnlichen Erfahrung für alle Beteiligten. Und darüber hinaus ...

Frivolität und Leidenschaft, aber auch seelische Verletzungen. Das Kosten der verbotenen Frucht als Folge von bürgerlicher Langeweile. Auf der Suche nach einem Neuanfang überraschend Unbekanntes finden und sich selbst noch einmal neu entdecken: Viele interessante, gekonnt inszenierte Aspekte bei guten darstellerischen Leistungen stecken in diesem freigeistigen, auf ein älteres Publikum zugeschnittenen Drama (von einer Komödie kann hier nicht bedingt gesprochen werden), das gleichzeitig an einigen Stellen ernst, melancholisch und nostalgisch auf den Betrachter wirkt. Auch das Bemühen einiger Klischees kommt nicht zu kurz. Eine generell hohe Symbolhaftigkeit der Bildsprache (brennende Häuser, bedeutungsschwangere Blindheit, dunkler Wald) und der (durchaus angenehmen) Farbgebung (Regenbogen, Abendstimmung) lassen doch öfters mal ein gewisses Gefühl der Konstruiertheit der Geschichte entstehen – etwas mehr Zurückhaltung in diesen Punkten hätte der Geschichte insgesamt nicht schlecht gestanden, wären defensivere, sich weniger stark aufdrängende Momente in Handlung und Stil hier wohltuend gewesen. Und trotzdem bleibt Malen oder Lieben / Peindre ou faire l‘amour ein sehenswerter Film, der die Frage „Wie gestalte ich meinen Lebensabend?“ auf belebende Art und Weise neu behandelt.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/malen-oder-lieben