Kids

Schonungslos

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Larry Clark arbeitete zunächst als Fotograf und sorgte mit einigen Bildbänden über die Jugendszene und Sexualität bereits für Aufsehen, bevor er sich dem Film zuwandte. Kids, sein schonungsloses Porträt einer verlorenen Jugend in den USA; die nicht aus ärmlichen Verhältnissen, sondern aus der scheinbar gefestigten Mittelschicht kommt, sorgte in den USA für reichlich Aufsehen und brachte dem Regisseur den Vorwurf der Nähe zur Pornographie mit Minderjährigen ein – obwohl die Laiendarsteller zum damaligen Zeitpunkt bereits volljährig waren. Die meisten der Darsteller stammten aus der Clique rund um den damals 18-jährigen Harmony Korine, der das Drehbuch geschrieben hatte und der später selbst als Filmregisseur (Gummo) und Autor (so schrieb Korine auch das Drehbuch für Larry Clarks Film Ken Park) in Erscheinung treten sollte. Für Harmony Korines damalige Freundin Chloë Sevigny bedeutete Kids ein Glücksgriff: Der Film markierte den Beginn einer Karriere als Filmschauspielerin, andere Darsteller hatten weniger Glück: Justin Pierce, der die Rolle des Caspar spielte, beging im Jahr 2000 Selbstmord, Harold Hunter, der es zu einer Berühmtheit in der Skater-Szene brachte, starb im Februar 2006 an einer Überdosis Koks. So schließt sich der Kreis zwischen Film und Leben: Hier wie dort beklagt eine Generation ihre Opfer, die dem alltäglichen Hedonismus, den Drogen und dem ungeschützten Sex zum Opfer fallen.

Auch wenn Kids an den Kinokassen weitgehend durchfiel, ist er für die Filmgeschichtsschreibung der Neunziger Jahre eines der wichtigsten Generationsporträts – hart, schonungslos und vibrierend vor Energie.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/kids