Das Mädchen aus dem Wasser

Geh, wohin dein Schicksal dich treibt

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Gibt es im Leben so etwas wie Vorherbestimmung? Wie kann ein Mensch erkennen, was sein Schicksal ist und worin seine Bestimmung oder seine Aufgabe im Leben liegt? Diese Fragen sind seit jeher das eigentliche Grundthema in allen Filmen M. Night Shyamalans, angefangen von The Sixth Sense über Unbreakable und Signs bis hin zu The Village, und auch in seinem neuen Werk Das Mädchen aus dem Wasser / The Lady in the Water greift er dieses Thema wieder auf. Der eigentliche Kniff dabei ist aber diesmal, dass Shyamalan sich mehr noch als in seinen vorherigen Filmen auf Märchenmotive und Elemente des Phantastischen und der Mythologie bezieht, um seine Botschaften an den Kinozuschauer zu bringen. Das Erstaunliche ist jedoch, wie gut es Shyamalan trotz großer Phantastik gelingt, seine intelligenten Spielchen mit den geweckten Zuschauererwartungen zu treiben und der Geschichte von Story ein ums andere Mal eine neue Wendung zu geben, so dass am Ende kaum mehr etwas so ist, wie es zuvor erschien. Aber das kennen wir ja bereits aus den Filmen M. Night Shyamalans. Unterstützt von der wunderbaren Kamera Christopher Doyles, der bereits den Filmen Wong Kar-Wais ihren ganz eigenen, wenngleich entschieden diesseitigeren Charme verlieh, ist Shyamalan ein faszinierendes Märchen für Erwachsene gelungen, die bereit sind, den verworrenen und mit überbordender Phantasie gepflasterten Wegen des Regisseurs durch die Labyrinthe der menschlichen Seele zu folgen. Wer freilich sein Hauptaugenmerk auf subtilen oder expliziten Grusel legt, wird von Das Mädchen aus dem Wasser / The Lady in the Water enttäuscht sein, denn Shyamalans Filme sind seit jeher eher phantastische menschliche Dramen um die großen Fragen des Lebens als Horrorthriller, als die sie oft vermarktet werden.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/das-maedchen-aus-dem-wasser