Lieben Sie Brahms

L'amour, l'amour

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Als Paula den jungen Musikliebhaber Philip Van der Besh (Anthony Perkins) kennen lernt, verliebt sich dieser heftig in sie und macht ihr ausgiebig den Hof. Paula ist ob der Avancen anfangs eher verwirrt, doch bald schon lässt sie sich auf Philips Werben ein und erlebt eine wundervolle Zeit voller Aufmerksamkeiten und Verliebtheit – alles Dinge, die sie in der Beziehung zu Roger schmerzlich vermisst hat. Roger ist entsetzt über Paulas Verrat, verlässt Paula und stürzt sich mit wütendem Elan in eine neue Verbindung, nur um alsbald zu merken, dass er immer noch an seine Ex-Freundin denkt. Auch Paula bekommt schnell zu spüren, dass die Gesellschaft und ihre Umgebung die Verbindung zu dem wesentlich jüngeren Philip nicht gerade schätzen. Als sich Paula und Roger eines Abends wieder begegnen, merken beide, wie sehr sie noch aneinander hängen und so macht Roger schließlich den lang ersehnten Heiratsantrag, den Paula freudig annimmt. Doch schon kurz nach der Heirat offenbart sich Paula auf schmerzliche Weise, dass sich an Rogers Verhalten rein gar nichts geändert hat…

Gerade mal ein Jahr nach dem Erscheinen von Françoise Sagans für die damalige Zeit sensationellen Bestseller-Erfolg kam Anatole Litvaks Verfilmung des Buchs in die Kinos. Die freizügige und melancholische Geschichte um die Liebe einer älteren Frau zu einem wesentlich jüngeren Mann war vor allem in den prüden Vereinigten Staaten ein kleiner Skandal und für die Hauptdarstellerin Ingrid Bergman so etwas wie eine späte Genugtuung, hatte doch ihre Beziehung mit dem italienischen Regisseur Roberto Rossellini Ende der Vierzigerjahre für Empörung und beinahe für das jähe Ende ihrer Hollywood-Karriere gesorgt. Bergman willigte deshalb nur allzu gerne ein, als Anatole Litvak sie bat, die Rolle der Paula Tessier zu übernehmen, und ihre darstellerische Leistung in Lieben Sie Brahms? / Aimez-vous Brahms? ist schlichtweg eine Sensation. Doch auch der Rest des Casts kann sich sehen lassen. Yves Montand spielt den unverbesserlichen Lebemann Roger Demarest, während der blutjunge Anthony Perkins Bergmans jugendlich-sensiblen Liebhaber Philip van der Besh gibt – eine Rolle, für die Perkins sogar den Darstellerpreis der Filmfestspiele von Cannes erhielt. Auch heute noch ist Lieben Sie Brahms? / Aimez-vous Brahms? ein sehenswerter Film über die Unwägbarleiten der Liebe, auch wenn die Empörung, die Françoise Sagans Buch und der daraus entstandene Film nach unseren heutigen Wertmaßstäben bizarr anmutet.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/lieben-sie-brahms