Ein gutes Jahr

Wenn Filme korken könnten…

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

"Guten Morgen, ihr Laborratten!" Mit diesen Worten begrüßt Max Skinner (Russell Crowe), ein skrupelloser Londoner Investmentbanker Tag für Tag seine Untergebenen, bevor er sich ans Werk macht. Skinner ist ein waschechter, karrieregeiler und unsagbar zynischer Yuppie und dementsprechend ruppig ist sein Umgangston. Eines Tages erreicht ihn ein Brief aus Frankreich, der mit einem Schlag sein gesamtes Leben verändern wird, denn in dem Schreiben wird Max mitgeteilt, dass sein Onkel Henry (lediglich in Rückblenden auftauchend: Albert Finney) gestorben ist und ihm ein Weingut in der Provence hinterlassen hat. Widerwillig macht sich Max auf den Weg, um das Château möglichst schnell zu verhökern und zu Geld zu machen.
Doch natürlich kommt alles anders: Der Finanzhai erweist sich natürlich bei genauerer Betrachtung als Mann mit Herz, der lediglich auf den falschen Weg geraten ist und entdeckt nicht nur seine verloren gegangene Zuneigung zu dem liebenswerten Landstrich, wo er glückliche Kindheitstage verbrachte, sondern kann (nach erfolgter Wandlung) auch noch das Herz einer liebreizenden Café-Besitzerin Fanny (Marion Cotillard) erobern. Und das Glück ist nicht mal dadurch zu erschüttern, dass urplötzlich eine zweite Erbin, eine bislang unbekannte Cousine aus Kalifornien (Abbie Cornish), auftaucht und das Anwesen für sich beansprucht…

Ein gutes Jahr vereint nach Gladiator erneut das Duo Ridley Scott - selbst Weingutbesitzer im Luberon und als solcher ein ausgewiesener Kenner der Gegend - und Russell Crowe vor der Kamera und zeigt die andere Seite der beiden: Floss in dem Sandalenepos noch das Blut in Strömen, sind es hier vor allem der Wein und die Tränen der Rührung, wenn aus dem Ekelpaket und Turbokapitalisten Max Skinner ein rühriger Weingutbesitzer wird. Die Handlung ist reichlich vorhersehbar und bietet keinerlei Überraschungen, die Provence erscheint in diesem Film genauso malerisch, wie wir uns das immer in unseren Träumen ausgemalt haben, und der Menschenschlag in dieser lieblichen Landschaft ist ebenso liebenswürdig wie schrullig.

Das alles ist derart butterweich, stilsicher und vor allem ohne jegliche Ecken und Kanten inszeniert, dass es schon fast ein Ärgernis ist. Lediglich die Rückblenden in Max’ Kindheit geben dem Film noch eine Ahnung von Tiefe, während der Rest wie ein eskapistischer Tagtraum anmutet. Wäre Ein gutes Jahr mit einem Wein zu vergleichen, dann wäre das mit Sicherheit eines jener wohl kalkulierten, am Reißbrett designten Gewächse, die so schmecken, wie man es eben erwartet, schokoladig, schwer und mit der obligatorischen Holznote. Bleibt nur noch der korkige Nachgeschmack zu erwähnen, den der Film hinterlässt: Warum in drei Teufels Namen muss ausgerechnet so ein Unsympath wie Skinner sein Glück in der Provence finden? Aber das ist ja alles nur ein Film, in der wirklichen Welt – so wissen wir – geht es Gott sei Dank viel gerechter zu, nicht wahr?

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer-streaming/ein-gutes-jahr