Little Miss Sunshine

Eine schrecklich nette Familie

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Richard Hoover (Greg Kinnear) ist ein selbst ernannter Motivationstrainer, der gerne und ausführlich aus dem von ihm erfundenen Programm „Neun Schritte zum Erfolg“ zitiert – unglücklicherweise ist sein Trainingskonzept nur graue Theorie, denn der beschriebene Erfolg will sich bei Richard selbst nicht einstellen. Leider neigt Richard nicht gerade zur Selbstkritik und –erkenntnis, und so ignoriert er hartnäckig sowohl seine eigenen Probleme wie auch die seiner reichlich chaotischen Familie. Seine Frau Sheryl (Toni Collette) beispielsweise sieht sich unversehens mit ihrem renitenten Schwiegervater (Alan Arkin) konfrontiert, der wegen seiner Vorliebe für Heroin und Sex das Altersheim verlassen musste. Außerdem sind da noch Sheryls schwuler Bruder Frank (Steve Carell), der wegen einer unglücklichen Beziehung und akademischer Intrigen akut selbstmordgefährdet ist, und der 15-jährige Sohn Dwayne (Paul Dano), der sich standhaft weigert, zu sprechen und der deswegen mit seiner Umwelt nur noch mittels handgeschriebener Zettel verkehrt. Die einzige – einigermaßen – normale in der Familie ist die siebenjährige Oliva (Abigal Breslin), die ungeachtet ihrer Brille und einer gewissen Neigung zur Pummeligkeit davon träumt, im fernen Kalifornien zur „Little Miss Sunshine“ gekürt zu werden. Wie durch ein Wunder wird die kesse Göre tatsächlich zum Finale in den Sonnenschein-Staat eingeladen, und da sich der Chaoten-Clan keine Flugtickets leisten kann, werden kurzerhand alle Mitglieder in den altersschwachen VW-Bus verfrachtet, und los geht die Fahrt - eine Reise, die freilich jede Menge Hindernisse und Überraschungen bereit hält…

Schnörkellos und mit sicherem Gespür für Gags mit Tiefgang sowie spritzige Dialoge haben die beiden Regisseure Jonathan Dayton und Valerie Faris eine nicht nur heitere Komödie auf die Leinwand gezaubert, die in fast jedem Moment begeistert und mitreißt. Trotz skurrilster Charaktere werden sämtliche Fallgruben allzu großer Plattheit souverän umschifft, wie Magier zaubern Dayton und Faris eine Überraschung nach der anderen aus dem Hut und bleiben trotzdem immer glaubwürdig, ohne auch nur eine Sekunde zu langweilen. Im Grunde geht es diesem Film ganz ähnlich wie dem widerspenstigen VW-Bus – einmal in Fahrt gekommen gibt es kein (An-)Halten mehr, so dass es jedes Mal todesmutiger Sprünge bedarf, um wieder an Bord der wilden Hatz zu kommen. Das immerhin bleibt dem Zuschauer erspart, er darf sich beruhigt und voller Vorfreude im Kinosessel zurücklehnen und sich auf den bevorstehenden Bauchmuskelkater freuen. Mit Sicherheit einer der Höhepunkte des sich gerade zu Ende neigenden Kinojahres.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/little-miss-sunshine