Der Lebensversicherer

Leben ist immer lebensgefährlich

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Wagners sinnloses Leben erfährt erst dann eine Wende, als er auf einer nächtlichen Autobahnraststätte – wo sonst sollte er, der sich in ständiger Bewegung befindet, auch anderen Menschen begegnen – Caroline (Marina Galic) begegnet, einer jungen Frau, die eine kleine, wenig erfolgreiche Pension in der Nähe der Autobahnausfahrt betreibt. Bezeichnenderweise trägt sie den gleichen Nachnamen wie Burkhard, doch es ist vor allem die Liebe zu französischen Chansons und die tief empfundene Einsamkeit, die die beiden für kurze Zeit vereint. Und für einen kleinen Moment hält die Welt den Atem an, für einen Augenblick scheint alles möglich, eine Umkehr, ein anderes Leben, eine neue Liebe, ein Sinn…

Bülent Akincis Langfilm-Debüt Der Lebensversicherer ist, zumindest was die Aufführungen bei diversen Festivals anbelangt, ein gern gesehener Film, der außerdem bei der Reihe Perspektive Deutsches Kino der Berlinale den Hauptpreis „Dialogue en Perspective“ erhielt. Auch auf dem Internationalen Filmfestival von Moskau war Der Lebensversicherer erfolgreich und erhielt den Preis der russischen Filmkritik.

Der Film besticht vor allem durch Jens Harzers eindrucksvolles Spiel und eine fein ausgetüftelte Balance zwischen Tragik und Komik, zwischen Psychostudie und Liebesmelodram. Dabei lässt Akinci vieles offen und schert sich wenig um die Gesetze der Chronologie, sondern verortet seine Geschichte im Ungefähren und in den Zwischenräumen und erzeugt dadurch eine ganz eigene Atmosphäre; gerade so, als wisse man in jedem Moment, dass es sich hierbei lediglich um einen Traum handele, aus dem man jederzeit nach Belieben wieder aufwachen könne. Kein Film für jedermann, doch ein Stil sicheres Debüt, das neugierig macht auf Akincis nächste Projekte.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-lebensversicherer