Barrage

Am Staudamm der Gefühle

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Sabine ist gerade aus der Kleinstadt Montbéliard aufs Land gezogen, in ein einsam gelegenes Haus am Ufer eines Stausees. Wie das Wasser, auf das sie öfters blickt, birgt auch Sabine eine gewaltige Kraft in sich, die nur mühsam gebändigt werden kann. Als ihr Sohn Thomas (Hadrien Bouvier) sich allmählich von ihr zu lösen beginnt, eine Freundin hat und in einem Steinbruch zu arbeiten beginnt, gerät Sabine in Panik. Verzweifelt versucht sie, den Jungen an sich zu binden und schreckt dabei auch vor drastischen Maßnahmen zurück, die schließlich immer mehr eskalieren – der Damm ist gebrochen…

Barrage entwickelt sich ganz langsam, verharrt immer wieder in langen Einstellungen und in einer eigentümlichen Atmosphäre, die entfernt an die Filme der "Berliner Schule" erinnert. Statt Versatzstücke aus dem Suspense-Baukasten baut der 35-jährige Regisseur Raphaël Jacoulot, der mit diesem Film sein Abschlusswerk an der Filmhochschule La Femis präsentiert, auf die innere Spannung, auf das leise Brodeln der Gefühle, die mit großer Beiläufigkeit, ja fast Lässigkeit erzählt werden. Der Gang der Geschichte ist mehr assoziativ denn logisch und baut auf eine innere Kontinuität, weswegen der Film immer wieder Lücken und Leerstellen einbaut, die es zu enträtseln gilt.

Barrage ist mit Sicherheit kein Film für das große Publikum; nur wer sich mit der extrem spröden, nüchternen Erzählweise Jacoulots anfreunden kann, der wird in Barrage einiges zu entdecken vermögen. Und sei es nur die belgische Newcomerin Nade Dieu, die hier nach einigen Nebenrollen ihre erste Hauptrolle spielt und deren Gesicht einen nicht so schnell wieder verlassen wird.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/barrage