Blood Diamond

Krieg und Klunker

Eine Filmkritik von Joachim Kurz

Der Ex-Söldner Danny Archer (Leonardo DiCaprio) aus Simbabwe und der Fischer Solomon Vandy (Djimon Hounsou) sind beide Afrikaner, doch außer der gemeinsamen Herkunft verbindet die beiden Männer kaum etwas miteinander. Archer verdient seinen Lebensunterhalt damit, dass er im Schmuggelgeschäft mit den Diamanten unter der Führung des Südafrikaners Colonel Coetzee (Arnold Vosloo) mitmischt – ein Unternehmen, bei dem er leider nicht sonderlich erfolgreich ist, denn Archer landet im Knast. Durch einen Zufall trifft er auf Vandy, der von den Rebellen der Revolutionary United Front verschleppt und zur Arbeit in einer Diamantmine gezwungen wurde. Dort findet Solomon einen riesigen rosafarbenen Diamanten mit hundert Karat und versteckt diesen als Faustpfand am Rande der Mine. Als Archer von dem sensationellen Fund erfährt, sieht er seine Chance gekommen, damit endgültig den Ausstieg aus dem schmutzigen Geschäft mit Diamanten und Waffen zu schaffen. Doch der Fischer hat ganz andere Pläne mit dem kostbaren Stein – er ist für ihn die einzige Chance, seinen verschleppten Sohn Dia (Kagiso Kuypers) zu finden, der mittlerweile zum Kindersoldaten ausgebildet wurde. Unterstützt werden die beiden von der amerikanischen Journalistin Maddy Bowen (Jennifer Connelly), die sich in das Bürgerkriegesgebiet vorgewagt hat, um die Hintergründe des Diamantenhandels aufzudecken. Wie der Zufall es so will, ist Dias Truppe just zur Verteidigung jener Diamantenmine ausersehen worden, in der sein Vater den Stein versteckt hat…

Blood Diamond von Edward Zwick ist ohne Zweifel ein Film mit einem wichtigen Anliegen, und neben allem Star-Tamtam und Action-Gekrache gibt es immer wieder Szenen, die die Leiden der Bevölkerung durch den Bürgerkrieg aufs Eindringlichste verdeutlichen. Doch andererseits geht Blood Diamond in seiner Analyse nicht weit genug und verärgert darüber hinaus mit einer Mixtur aus sattsam bekannten Plotelementen aus Abenteuerfilmen und Klischee beladenen Figurenzeichnungen. Er verortet das Problem in Afrika und belässt es dabei, ohne zu hinterfragen, ob es nicht vor allem die kapitalistische Politik von Angebot und Nachfrage und die mitunter skrupellosen Methoden von Großhändlern aus aller Welt sind, die ein großes Maß an Mitschuld an den Zuständen tragen. Was dem Zuschauer bleibt, ist ein resigniertes Kopfschütteln darüber, wie schlecht es doch in der Welt zugeht. Doch Gott sei Dank gibt es diese Welt voller Gier, Brutalität und unfassbarem menschlichen Leid ja nur im Kino oder weit, weit weg. Nun gut – so mag man einwenden –, solange es dem guten Zweck dient, sind diese Verkürzungen und dramaturgischen Zuspitzungen durchaus im Sinne der Thematik. Trotzdem, das Unbehagen bleibt, auch wenn in diesem Fall am Ende das Gute siegt. Ballauf und Schenk, bitte übernehmen Sie!

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/blood-diamond