El Camino de los Ingleses

Berlinale Panorama

Eine Filmkritik von Verena Kolb

Die Hauptfigur des Films ist der 18-jährige Miguelito (Alberto Amarilla), der es sich nach einer Nierenoperation und der Lektüre von Dantes „Göttlicher Komödie“ im Krankenbett zum Ziel gemacht hat, Schriftsteller zu werden. In den sommerlichen Wochen nach dem Krankenhausaufenthalt tut Miguelito jedoch zunächst alles andere, als sich an den Schreibtisch zu setzen und drauf los zu schreiben. Er trifft sich mit seinen Freunden im Schwimmbad und lernt dort Luli (María Ruiz) kennen, deren Traum es ist, Tänzerin zu werden. Die beiden verlieben sich ineinander und erleben einen traumhaften Sommer zusammen. Doch im Laufe des Sommers verändert sich die Liebe zwischen Miguelito und Luli.

El Camino de los Ingleses erzählt vom Erwachsenwerden. Er ist ein Plädoyer an die Jugend und an ihre Träume, an die man glauben darf und soll, deshalb jedoch nicht vergessen darf, den Blick auch auf das Leben im Hier und Jetzt zu richten. Miguelito muss lernen, Luli als Person und nicht als die literarische Figur der „Divina Comedia“ und seine Muse zu betrachten. Und Luli macht die bittere Erfahrung, dass Träume zwar in Erfüllung gehen können, aber auch ihren Preis haben.

Der Film ist vor allem ästhetisch schön; mit seinen Bildern reizt Banderas alle denkbaren filmsprachlichen Stilmittel aus: Ganz im Stile des spanischen Altmeisters Pedro Almodóvar wird in großen Detailaufnahmen die Aufmerksamkeit auf das Unscheinbare, aber Besondere, weil so noch nicht auf der Leinwand ins Bild Gerückte, gelenkt. Die Fotografie wechselt vom Spiel mit Licht und Schatten zu stark ausgeleuchteten Motiven und Figuren. El Camino de los Ingleses wirkt mit seiner Kinematografie wie ein groß und großartig angelegtes Videoclip, das man sich mit Genuss anschaut. Ob man dabei jedoch der Geschichte folgen kann, ist fraglich, aber vielleicht auch gar nicht so wichtig.
 

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/el-camino-de-los-ingleses