Ein mutiger Weg

Chronik einer Entführung

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Im Januar 2002 hielten sich Daniel Pearl (Dan Futterman), Südostasien-Korrespondent des Wall Street Journals und seine hochschwangere Frau Mariane (Angelina Jolie), ebenfalls Journalistin, im pakistanischen Karatschi auf. Pearl recherchierte dort über den als "Shoe Bomber" bekannt gewordenen Terroristen Richard Reid. Als sich die Möglichkeit anbot, zu einem exklusiven Interview mit einem Terroristenführer zu fahren, nahm Pearl das Angebot an und kehrte nie mehr zurück. Seine Entführer, Terroristen der sogenannten "Nationalen Bewegung zur Wiederherstellung der pakistanischen Souveränität" verschleppten ihn in ein Versteckt am Stadtrand Karatschis. Nur eine Woche später wurde Pearl enthauptet, weil die US-amerikanische Regierung die Forderungen der Entführer nicht erfüllte.

Der Film konfrontiert uns jedoch nicht mit der Brutalität der Entführer, sondern zeigt das Verbrechen aus der Perspektive von Daniel Pearls Ehefrau Mariane: Die Sorgen vom Verschwinden ihres Mannes über die verzweifelten Bemühungen, ihn zu befreien, bis zu seiner brutalen Ermordung. Die Hoffnung, die immer wieder aufkeimt, wenn der Krisenstab den Entführern näher gekommen ist oder wenn die allerkleinsten Lebenszeichen durchsickern. Die Liebe zu ihrem Mann, der Glaube an ihren und seinen Einsatz als Journalist. Als das verkörpert Angelina Jolie als Mariane Pearl so glaubwürdig und solide, dass wir an ihr kleben und die ganzen 100 Filmminuten mit ihr bangen.

Doch leider kennt man das Ende des Films, der Fall Daniel Pearl ging um die Welt und Winterbottom hält sich an die Fakten. Wie auch schon bei seinem letzten Film The Road to Guantanamo (2006), eine Geschichte über drei britische Muslime, die unschuldig im Gefangenenlager Guantanamo landeten, beweist Winterbottom ein Gespür für spannende Themen und weiß sie auch packend und mitreisend umzusetzen. Marcel Zyskinds Kamera nimmt immer wieder ein Bad in der Menschenmenge, stürzt sich in den chaotischen Verkehr Karatschis, kriecht in dunkle, dubiose Ecken der muslimischen Metropole, beobachtet die Einheimischen – und das alles mit der Authentizität eines Dokumentarfilms.

Es ist ein temporeicher, schnell geschnittener Film mit vielen stillen Momenten. Zur Ruhe kommt er dann, wenn Daniel seiner schwangeren Frau über den Bauch streichelt und sich wünscht, dass sein Kind Adam heißt. Oder wenn ein neuer Tag beginnt und der Imam in den morgendlichen Dunst über der Stadt zum Gebet aufruft, wenn Mariane sich zum Gebet vor ihren kleinen Altar zurückzieht. Und dann zieht der Film auch sofort wieder an: Da wird wild telefoniert, chaotisch Auto gefahren, verrückt umher geballert. Dann ist die Kamera wieder permanent in Bewegung, rüttelt uns wach, um uns den Ernst der Lage vor Augen zu führen.

Winterbottoms Dokudrama geht unter die Haut, besonders intensiv in der Szene als Mariane erfährt, dass es ihr Mann "nicht geschafft" hat. Sie kann nur noch schreien, glaubt noch nicht dran, weiß aber das ihr Leben nie wieder so wie vorher sein wird. Sie war bis dahin tapfer und mutig, der Tod von Daniel hat ihr das Herz wohl für immer zerrissen. Dieser Schmerz ist so intensiv – kein Wunder, dass man etwas benommen, aber nachhaltig bewegt das Kino verlässt.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/ein-mutiger-weg