Abbitte

Über Liebe, Trennung und Tod

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Abbitte / Atonement ist die gelungene Verfilmung des gleichnamigen Romans des englischen Schriftstellers Ian McEwan. Joe Wright, der Regisseur, begibt sich damit nicht auf gänzlich neues Terrain. Vor zwei Jahren hat er mit Stolz und Vorurteil / Pride and Predjudice (2005) den berühmten Roman von Jane Austen für die große Leinwand adaptiert, ebenfalls mit Keira Knightley. Wright beweist auch diesmal, dass er ein Händchen für die Umsetzung solcher Stoffe hat.

Der Film startet im England der 1930er Jahre. Die beiden Schwestern Briony (Saoirse Ronan) und Cecilia (Keira Knightley) leben mit ihrer Mutter in einem herrschaftlichen Haus auf dem Land. Der Gärtnersohn Robbie (James McAvoy) hat längst ein Auge auf Cecilia, die ältere Schwester, geworfen. Nach einem peinlichen Ausrutscher kommen sich die beiden schließlich näher, fallen regelrecht übereinander her, gestehen einander ihre Liebe – und werden dabei von der 13jährigen Briony beobachtet. Teils verunsichert, teils eifersüchtig phantasiert Briony ein Gespinst zusammen, das die beiden so schnell wie möglich wieder auseinander bringen soll. Sie haftet Robbie ein Verbrechen an, das er nicht begangen hat und dafür unschuldig ins Gefängnis muss. Die Folgen dieser Ereignisse lassen keinen der drei mehr los und führen sie auf unterschiedlichen Wegen durch die Schrecken des 2. Weltkriegs.

Was Briony damit angerichtet hat, kann sie erst viel später begreifen. Als Sühne begibt sie sich im Krieg in den Dienst als Krankenschwester (gespielt von Romola Garai). Doch sie wird ihren Fehler nie wieder gut machen können und ihr Gewissen, das wie ein enger Schuh ständig drückt, nie ganz reinigen können. Erst als sie über die Ereignisse einen Roman schreibt, kann sie sich die Schuld teilweise von der Seele schreiben. Am Ende des Film sieht man Briony als ältere Dame (grandios: Vanessa Redgrave) und wie sie dann über ihr Leben und das was passiert ist in einem Fernsehinterview berichtet, dann ist das mehr als schmerzhaft – es zerreißt einem fast das Herz.

Abbitte / Atonement ist großes Kino: handwerklich perfekt inszeniert, vor allem die genialen, epischen Kamerafahrten fallen ins Auge. Den Schauspielern nimmt man jedes Wort, jede Geste, jede Bewegung ab, so gut verkörpern sie ihre Rollen. Ein Film, der bewegt, der einen mitreißt und Emotionen wachruft, die in jedem irgendwo tief schlummern. Der Film mag konventionell sein, aber genießen kann man ihn von der ersten bis zur letzten Minute.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/abbitte