Der Jane Austen Club

Eine Form der Austen-Rezeption im 21. Jahrhundert

Eine Filmkritik von Marie Anderson

Sylvia (Amy Brenneman) fällt unvermittelt aus den Wolken ihrer nur scheinbar harmonischen Familienwelt mit drei Kindern, als ihr Mann Daniel (Jimmy Smits) ihr nach 25 Jahren Ehe eröffnet, dass er sich in eine andere Frau verliebt hat. Um ihrer Freundin Erleichterung durch Ablenkungen zu verschaffen, gründet Bernadette (Kathy Baker), die bereits sechs Mal verheiratet war und gerade wieder Single ist, daraufhin eine Art Lesegesellschaft aus fünf Frauen, die sich einmal im Monat in angenehmem Ambiente zusammenfinden, um ein Buch von Jane Austen zu besprechen. Mit im Club sind die attraktive Jocelyn (Maria Bello), die behauptet, abgesehen von ihrer Begeisterung für ihren edlen Lieblingshund noch niemals verliebt gewesen zu sein, Prudie (Emily Blunt), eine junge, frisch verheiratete Lehrerin, deren Mann Dean (Marc Blucas) gerade eine lang ersehnte Reise nach Paris aus beruflichen Gründen abgeblasen hat, und Sylvias Tochter Allegra (Maggie Grace), mit Mitte zwanzig die jüngste Teilnehmerin, die heftig in den Bann der romantischen Thematik gerät, obwohl sie anfangs nur beitrat, um ihrer Mutter in ihrem Kummer beizustehen, und deren offenherzige Diskurse über lesbische Sexualität eine ganz eigene Perspektive innerhalb der Jane Austen Betrachtungen darstellen. Mit dem Computerfreak Grigg (Hugh Dancy), Anfang 30 und von Jocelyn angeschleppt, stößt das einzige männliche Mitglied zum Club, allerdings hintergründig weniger von Jane Austen als vielmehr von Jocelyn begeistert, die eigentlich daran dachte, der verlassenen Sylvia mit einem jungen, ausgesprochen netten Mann eine Freude zu machen.

Es ist die Verquickung der Lebenswirklichkeit der Protagonisten, die mitunter wie moderne Figuren aus einer Austen-Geschichte wirken, mit den Geschehnissen in der fiktiven Welt der Literatur, die den Clou dieses Films ausmachen, dessen Entstehung fundierte und ausführliche Kenntnisse über das Werk von Jane Austen vorausgesetzt hat. Regisseurin und Drehbuchautorin Robin Swicord, die sich als begeisterte Leserin intensiv mit dem Werk der britischen Schriftstellerin auseinander setzt, hat Der Jane Austen Club / The Jane Austen Book Club nach der gleichnamigen Romanvorlage von Karen Joy Fowler inszeniert, und ihr eigenes Fazit besteht darin, dass sich die unzähligen Empfindungen um das weite Feld der Liebe heuzutage kaum von jenen der nur scheinbar antiquierten Welt Jane Austens unterscheiden. Innerhalb von lediglich dreißig Drehtagen mit einem umfangreichen Ensemble entstand ein handwerklich und schauspielerisch solider Film mit einer turbulenten Geschichte, in dessen Fokus die Handlung der Bücher Sinn und Sinnlichkeit, Emma, Mansfield Park, Verführung, Die Northanger Abtei sowie Stolz und Vorurteil steht – bei dieser Fülle bleibt dann doch die Intensität der Darstellung der sechs Hauptfiguren innerhalb der Dramaturgie ein wenig auf der Strecke. Insbesondere für Kenner der Austen-Literatur mögen die rasanten Entwicklungen der Club-Crew wenig überraschend erscheinen, doch diese werden sicherlich ihre Freude an den lebhaften Diskussionen der Werke haben. Bei der bereits seit einer ganzen Weile wieder aufgeflammten Popularität um Jane Austen, die sich auch in Filmen wie Stolz und Vorurteil / Pride an Prejudice und Geliebte Jane / Becoming Jane niederschlug, ist es nicht auszuschließen, dass dieser Film eine Welle von Buchclubgründungen auslöst, wenn das nicht schon eine Folge der Romanvorlage war, die nach ihrem Erscheinen 2004 rasch in den Bestsellerlisten der USA vertreten war.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/der-jane-austen-club