Darjeeling Limited

Lost in India

Eine Filmkritik von Katrin Knauth

Zugfahren ist in Indien so eine Sache. Meist muss man stundenlang in der Hitze am Bahnhof auf verspätete Züge warten, um danach wiederum stundenlang in unterkühlten Wagen unterwegs zu sein. Dass sich allerdings ein Zug mitten in der Nacht verfährt und selbst der Lokführer nicht mehr weiß, wo er sich befindet, das passiert wohl nur im Kino – zumindest in Wes Andersons neuem Film Darjeeling Limited.
Dem Film vorangestellt wird ein 13-minütiger Kurzfilm namens Hotel Chavalier, indem sich ein Amerikaner und seine Verflossene in einem Pariser Hotel wieder treffen. Mit dieser erotischen Begegnung im Hotelzimmer weiß man zunächst nichts so richtig anzufangen, erst wenn der Hauptfilm losgeht, trifft man den Amerikaner wieder und weiß ihn einzuordnen. Es ist Jack (Jason Schwartzman), einer der drei Brüder, die sich gemeinsam auf eine Art spirituelle Zugreise durch Indien begeben, um wieder zueinander zu finden und um ihre Mutter aufzusuchen. Jack und seine Brüder Francis (Owen Wilson) und Peter (Adrien Brody) haben sich ein schickes Abteil in dem für indische Verhältnisse vornehmen Darjeeling Limited Zug reserviert, in dem sie sich allerdings so daneben benehmen, dass sie irgendwann mitten in der Pampa ausgesetzt werden.

Dann fängt das Abenteuer erst so richtig an: Mit nicht weniger als elf Koffern ziehen sie durch die Wüste und finden alles andere als Ruhe und spirituelle Erlösung, dafür aber reichlich authentisches indisches Landleben, das einem ja auch ordentlich die Augen öffnen kann. Die Odyssee führt sie schließlich bis zu ihrer Mutter in den Himalaja, die sich dort längst der Religion verschrieben und dabei ihre Söhne abgeschrieben hat.

Hört sich alles ziemlich ulkig an und das ist es auch. Man kann sich von dem Film richtig gut unterhalten lassen. Allerdings fragt man sich immer wieder, warum das Ganze, warum so ein Film, aber das schöne, bunte, verrückte Indien lässt einen diese Gedanken wieder vergessen und an den Bildern erfreuen. Das Drehbuch stammt aus der Feder von Wes Anderson selbst sowie Jason Schwartzman und dem Produzent Roman Coppola (der Sohn von Francis Ford Coppola und Cousin von Jason Schwartzman). In Nebenrollen sind Bill Murray, Natalie Portman als Jacks Ex-Geliebte und Angelica Huston als Mutter zu sehen.

Es geht mal wieder um das klassische Wechselspiel der Kulturen, um West meets East, um den dummen Amerikaner im Ausland, um den Aufprall und die dadurch entstehenden Missgeschicke und Peinlichkeiten verbunden mit reichlich Komik. Nur das Komische daran ist, dass man vor lauter Komik gar nicht richtig lachen kann, zumindest die großen Lacher ausbleiben und man so ein bisschen unerfüllt aus dem Film heraus kommt. Wes Andersons Fans werden sicher auf ihre Kosten kommen und den Film wahrscheinlich auch mehr mögen als den Vorgänger Die Tiefseetaucher / Life Aquatic with Steve Zissou (2004). Aber das sollten die Fans selbst entscheiden.

Quelle: www.kino-zeit.de/film-kritiken-trailer/darjeeling-limited